Bangkok Quarantäne

Bangkok, Samstag 23. Januar 2021, 11:00 Uhr

Am Montagmorgen klopfte es bereits um 7 Uhr an meine Tür und ich wurde zur Fortsetzung meiner Reise abgeholt. Keine Zeit für Frühstück, und die Hotelrechnung würde nachgesendet werden. Zwei gut in Plastik verpackte Damen bringen mich zum Flughafen, wo mich ein Herr von der Einwanderungsbehörde erwartet. Er schleust mich an der vor dem Schalter der Fluglinie wartenden Menschenschlange vorbei und ich werde sofort bedient (mir ist bis heute nicht ganz klar warum ich Priorität genossen habe aber ich habe das nicht lange hinterfragt sondern genossen). Dann bracht mich der nette Herr auf raschestem Wege zur Passkontrolle, wo es für mich ebenfalls kein Warten gab. Drinnen im Flughafengebäude durfte man sich erstaunlicherweise frei bewegen und wurde nicht wie bei der Ankunft von einer Aufsichtsperson geleitet. Ich genehmigte mir ein Frühstück bevor es zum Einsteigen ging.

Obwohl ich den Eindruck hatte, dass wir viele Fluggäste waren, war das Flugzeug nur halb voll. Gleich bei der Abflugsdurchsage des Kapitäns wurden wir informiert, dass Alkoholverbot auf diesem Flug herrscht – auch in der Business Class (ich flog economy). An und für sich kein Problem aber was soll das bringen? Dafür wurden wir nicht, wie es eigentlich in Covid-Zeiten angesagt wäre, recht zerstreut über das nur zur Hälfte gefüllte Flugzeug gesetzt sondern schön dicht gedrängt (siehe obiges Foto). Per Durchsage wurden wir dann auch noch darüber informiert, dass wir uns nicht versetzen dürfen. Alles sehr durchdachte Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus, kam mir vor. Auf meine Nachfrage beim Bordpersonal nach der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen, durfte ich mich in eine leere Reihe setzen.

Die Flugzeit verging eigentlich recht rasch. Das lag wohl nicht bloß daran, dass ich genug zu arbeiten hatte sondern wahrscheinlich auch daran, dass wir auch wirklich schnell flogen. Ich habe bei meinen Flugreisen bisher nie so sehr auf die Fluggeschwindigkeit am Monitor vor mir geachtet aber diesmal schon. Ich glaub ich bin das erste mal in meinem Leben mit 1000 km/h unterwegs gewesen. Dabei finde ich es schon extrem die Hand bei geöffnetem Wagenfenster bei 150 km/h aus dem Auto zu halten.

Am Flughafen von Bangkok lief alles recht gut organisiert ab. Oder besser gesagt „überorganisiert“, da die Dokumente wie Covid-Test, Fit-for-flight Test, Covid Krankenversicherung, Certificate of Entry, Reisepass, … gefühlte 20 mal kontrolliert wurden. Offenbar war ich der Einzige diesmal der seine Quarantäne im Marriott-Hotel verbracht und somit hatte ich ein Auto mit Chauffeur für mich allein. Zwischen mir und Fahrer gab es eine Abtrennung aus Plexiglas und er selbst war angezogen als würde er mich zu einer Raumstation im Weltall geleiten.

Vor dem Hotel wurde dann gleich einmal ein Covid-Test gemacht. Oder besser gesagt zwei. Ein Stäbchen in den Rachen und eines in die Nase. Sehr angenehm das Ganze. Daraufhin wurde ich in mein Zimmer eskortiert. Sehr schön. So gut wie in Australien, nur der Ausblick kann nicht mithalten. Aber das Essen ist herrlich. Aber dazu das nächste mal.

Auf Reisen

Sydney, Samstag, 16. Januar 2021, 21:45 Uhr

alles meins …

Diesmal haben weder Wirbelsturm, noch Erdbeben oder sonst eine Naturkatastrophe meine Abreise von den Fidschis verhindern können. Ich ließ mich am gestrigen Nachmittag von einem Taxi zum Flughafen bringen von wo ich nach Nadi (sprich: Nandi) auf die andere Seite der Hauptinsel flog. Dort übernachtete ich in einem Hotel damit ich am nächsten Morgen nicht so viel Stress mit dem Weiterflug habe.

Am Flughafen von Nadi ging dann am nächsten Morgen alles sehr glatt, jedoch es war alles auch sehr, sehr leer und verlassen. Wir waren der einzige Flug am diesem Tag (es gibt nur zwei pro Woche) und nur 11 Fluggäste. Dafür war das Flugzeug umso größer. Ich hatte die ganze business class für mich (siehe Foto) und wurde von den Stewardessen dementsprechend verwöhnt.

In Sydney ging es weniger locker zu. Jede Menge Kontrollen und Prüfungen der Papiere. Am Ausgang wartete die Polizei und das Militär auf uns und wir paar Ankömmlinge wurden in einen kleine Bus verfrachtete der – gefühlsmäßig – durch die ganze Stadt fuhr. Von meinen wenigen Eindrücken her glaube ich feststellen zu können, dass es eine schöne Stadt ist. Sehr viel Grün, sehr viel Wasserflächen, da sich das Meer hier in viele Buchten und Seitenarme verzweigt.

Bei unserer Ankunft wurden wir abermals von Militär und Polizei erwartet. Diese befanden sich auch in der Hotellobby und nahmen unsere Personalien auf. Alle waren sehr freundlich und geduldig. Dann wurde ich auf mein Zimmer im achten Stock eskortiert. Ein sehr schönes Zimmer mit herrlicher Aussicht auf eine Bucht und die Skyline von Sydney. Noch dazu ein herrlicher Tag, sonnig klar mit einem leichten Lüftchen. Wie verlockend es wäre draußen über die Brücken zu flanieren. Aber leider darf ich das Zimmer nicht verlassen.

Da ich am Montag einen Anschlussflug nach Bangkok habe, werde ich hier nur 2 Tage statt zwei Wochen bleiben. Der Vorrat an Wasserflaschen in meinem Zimmer würde jedoch weit länger reichen. Neben den Fotos meines Zimmers und einem Video von der Aussicht habe ich euch auch Fotos von meinem Mittagessen (Sandwich) und Abendessen (Chicken Satai) eingestellt. Es klopft an der Tür, man macht auf und da steht es schon …. das Papiersäckchen. Die Lieferantin macht sich schnell aus dem Staub als hätte man die Pest. Ich nutze die Zeit in meinem luxuriösen Gefängnis um euch zu schreiben und zu arbeiten. Vielleicht auch werde ich mir auch ein Video ansehen. Jedenfalls berichte ich euch dann bald von meinem Hotel in Bangkok ebenfalls, wo ich dann ganze 2 Wochen eingekerkert sein werde.

Heiße Weihnachten

Suva, Mittwoch 30. Dezember 2020, 23:30 Uhr

Da ich gelesen habe, dass man in Österreich über Weihnachten nicht in die Berge fahren darf (außer zum Schifahren) und es diesmal auch keine weiße Weihnachten gibt, trage ich mein Schicksal zum ersten Mal in meinem Leben die Feiertage nicht in Österreich bei meinen Lieben verbringen zu dürfen, mit Fassung.

Wie lassen sich die Feiertage aber hier am besten verbringen? Zum einen haben wir eine nette Firmenweihnachtsfeiertage gehabt mit viel Essen, Bier und einem Engerl-Bengerl Spiel. Die Kollegen, den Weihnachtsbaum und die Festtafel seht ihr auf den Fotos und unsere noch im Ausland weilenden Kollegen (Australien und Spanien) haben sich per Internet zugeschaltet. Unter dem Baum seht ihr mein Weihnachtsgeschenk liegen. Diesmal ist es etwas karger als üblich ausgefallen, denn ich habe bloß Bieruntersetzer mit Fidschimotiven darauf bekommen. Was dem Christkind da wohl wieder eingefallen ist?

Zum anderen habe ich den Heiligen Abend und den darauf folgenden in einem Hotel verbracht, da ich wirklich nicht alleine in meiner Wohnung sitzen wollte. Schließlich liest man, dass solche Leute gerade am Heiligen Abend besonders Suizid gefährdet sind. Darauf wollte ich es nicht ankommen lassen und habe lieber mit Freunden in einem Hotel in Pacific Harbour am Meer gefeiert. Am 24. Dezember um 16 Uhr war es noch recht hell und heiß und die Kindern vergnügten sich am Wasser (siehe Video) statt im Kino zu sitzen damit die Mutter den Baum aufputzen kann.

Der Heilige Abend verlief eher enttäuschend. Zwar gab es einen Weihnachtschor aber das Buffet war sehr mager bestückt und bereits um 21 Uhr geschlossen. Normalerweise kann ich an diesem Tag nicht einschlafen, weil mich mein Bauch vom vielen Essen schmerzt. Diesmal war es wieder der Bauch der mich nicht schlafen lies. Schuld war diesmal aber nicht seine Völle sondern die Leere. Habe mir dann noch einen Weihnachtsfilm in meinem Zimmer mit ein paar Bierchen angesehen und schon war ich in Weihnachtsstimmung.

Am 25. Dezember ließ sich das Hotel aber nicht lumpen. Es gab ein großes Buffet mit Meeresfrüchten, Fisch, Hummer, Truthahn, Schweinebauch, Lammfleisch, …. dazu all-you-can-drink. Im Anschluss daran gab es Livemusik mit Tanz (siehe Video).

Den Rest des Tages habe ich am Pool verbracht. In weiser Voraussicht habe ich mich mit Sonnenschutz eingecremt. Den nächsten Vormittag war ich aber nicht mehr so weise. Da ich ja eh bald abreiste hielt ich dies für nicht mehr notwendig, was sich als massiver Fehler herausstellte. Ich bekam einen ordentlichen Sonnenbrand und war rot wie ein Krebs.

Heute ist aber wieder alles gut und ich bereite mich auf den Jahreswechsel vor. Eigenartiger Weise gibt es zu Silvester keine Ausnahme von der nächtlichen Ausgangssperre und alle müssen vor 23 Uhr zuhause sein. Na das wird was werden. Also Silvester Mundl und Dinner for One. Wir hier auf den Fidschis feiern als erste Silvester. Österreich rutsch erst 12 Stunden später ins neue Jahr hinüber. Da ist es bei mir schon Mittag am 1. Januar. Und die USA feiern überhaupt erst 18 Stunden später. Und die benachbarten Cook-Inseln feiern mit einer Verspätung von satten 24 Stunden. Ähnlich ist es in Samoa. Während Samoa mit den Fidschis feiert, feiert das nur 100 Kilometer entfernte Westsamoa 24 Stunden später. Also wer in zwei unterschiedlichen Nächten feiern aber nicht das Flugzeug nehmen möchte …

Wirbelsturmwarnung auf den Fidschis

Mittwoch, 16. Dezember 2020, 23:00 Uhr

Heute wurde mein Flug von Fidschi Airways gestrichen, da ein starker Wirbelsturm im Anmarsch ist. Damit ist ein weiterer Versuch das Land zu verlassen gescheitert und somit werde ich Weihnachten und den Jahreswechsel hier auf den Fidschis feiern müssen.

So traurig das für mich auch sein mag, um soviel bitterer ist es für die Bevölkerung auf den Fidschis. Der Tourismus ist hier von viel höherer Bedeutung als im Fremdenverkehrsland Österreich und das Land leidet bereits genug unter der Covid Pandemie, auch wenn es hier keinerlei Infektionen gibt. Zum Abschluss dieses schlimmen Jahres 2020 bringt das Weihnachtsfest noch einen kräftigen Wirbelsturm.

Wie ihr auf der Karte sehen könnt, wird Fidschi zur Zeit von 2 Wirbelstürmen in die Zange genommen. Der rechte zieht allerdings ab, während der linke direkt auf die Hauptinsel zuhält. Wenn ihr den Zeitschieber unter der Grafik bewegt, könnt ihr die Prognose sehen.

https://www.windy.com/?-18.133,178.417,5

Dieser linke Wirbelsturm trägt den Namen Yasa und hat bereits die höchste Kategorie 5 erreicht. 2016 kostet ein ähnlich starker Wirbelsturm namens Winston 42 Menschen auf Fidschis das Leben und richtete enorme Verwüstungen an. Hier der Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Zyklon_Winston

Bei den traditionellen Hütten – Bure genannt – konnte man noch die Wände bei Bedarf entfernen um so dem Wind keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Diese Hütten sind aber kaum mehr wo anzutreffen. Die Menschen außerhalb den Städten leben meist nur in Hütten aus dünnen Wellblechwänden die stärkeren Winden kaum Stand halten.

Ich bin in der Stadt hier relativ sicher. Zumindest wenn ich meine Wohnung nicht verlasse, denn in der Gegend herumfliegende Gegenstände können gefährliche Geschosse sein. Morgen und am Freitag müssen wir ins home office. Wieder einmal 🙂 Die Stromversorgungsgesellschaft hat bereits Stromabschaltungen für morgen angekündigt wenn der Wirbelsturm zu nahe kommt. Habe heute meine Vorräte aufgestockt nur Klopapier muss ich morgen noch kaufen. Das bin ich meiner Heimat schuldig.

Weihnachten plane ich nun in einem Hotel zu verbringen. Falls dieses dann noch steht und die Straßen nicht durch Erdrutsche, Überflutungen oder umgestürzte Bäume unpassierbar sind. Ich halte euch Covidgeplagten auf dem Laufenden.

Advent, Advent …

Suva, Sonntag 13. Dezember 2020, 22:00 Uhr

Weihnachtsbaumbastelei im Grand Pacific Hotel
38 Euro

Nun erlebe ich hier schon zum dritten mal die Vorweihnachtszeit. Obwohl in diesem Land zur Hälfte Katholiken wohnen, kann Fidschi hinsichtlich der Stimmung in der Vorweihnachtszeit nicht mit Österreich mithalten. Vielleicht heuer aber doch. Denn schließlich lese ich, dass im heimatlichen Wien Weihnachtsmärkte pandemiebedingt nicht geöffnet werden konnten. Somit kein Schlendern mit einem Becher Punsch in der Hand durch die Standllandschaft. Auch der vorweihnachtliche Einkaufstrubel dürfte in diesem Umfeld eher verhalten ausfallen, was aber ohnehin nie ein Stimmungsfaktor war.

Hier laufen die weihnachtliche Vorbereitungen gedämpfter ab. Es ist Sommer und damit heiß und Regenzeit. Von heißen Punsch träumt hier bestimmt niemand und Standl gibt es auch keine. Die Geschäfte sind allerdings bereits hübsch dekoriert und die Supermärkte führen schon seit Ende Diwalis weihnachtliche Dekorationswaren in ihren Regalen. Auch die Hotels bauten bereits in ihren Rezeptionshallen Weihnachtsbäume auf und stellen Geschenksatrapen darunter.

Im Gegensatz zu Österreich finden hier Firmenweihnachtsfeiern statt. Die laufen auch hier weniger besinnlich als lustig ab. Die Beleuchtung ist oftmals ein wenig kitschig mit grün, blau und rot blinkenden Lichtern die eher nervös machen als in romantische Stimmung versetzen. Ich habe euch hiervon ein kleines Video ganz unten eingestellt. Auch die Nachtschwärmer in den Bars und Nachtklubs zeigen gerne ihr Bekenntnis zu weihnachtlichem Vergnügen.

Und auch bei uns im Büro wurde bereits hübsch dekoriert. Weihnachtliche Kugeln hängen von der Decke und auch ein kleiner Christbaum wurde aufgestellt.

Büro

Und nein, in der Südsee gibt es natürlich keine echten Tannenbäume oder Fichten. Alles 100% aus Plastik aus China importiert. Das nächste Mal werde ich von meiner kleinen, ganz privaten Weihnachtsfeier an Heiligabend berichten. Es werden diesmal nur recht wenig Gäste eingeladen. Eigentlich niemand. Das darf ich nämlich nicht. Ich werde in meinem Quarantänehotel in Bangkok sitzen, mir ein Flasche Rotwein aufmachen und mir vielleicht den Weihnachtsmundel ansehen. Falls ich ein Kerze haben sollte, wird diese natürlich angezündet.

Happy Diwali

Suva, Sonntag 22. November 2020, 22:00 Uhr

Nachdem ich 2018 bald nach der Ankunft auf Diwali gewartet hatte, da mich die Ankündigungen in den Schaufenstern und im Radio neugierig gemacht hatten, und ich bitter enttäuscht wurde, da es sich um ein reines Familienfest handelt und nicht um einen Straßenumzug oder so, kam ich diesmal voll auf meine Rechnung.

Dieses Lichterfest ist eines der wichtigsten Feste im Hinduismus und es wird der Sieg des Lichtes über die Dunkelheit gefeiert (ein wenig verfrüht aus meiner Sicht, da dies andere Religionen eher um die Sonnenwende am 21. Dezember tun). Jedenfalls wir mit viel Kerzen, Lichterketten und Feuerwerk gefeiert. Dieses große Feiern wird aus nur dadurch getrübt, dass an den heiligen Festen der Hinduismus Alkohol verbietet und nur vegetarisch gegessen werden darf. Das verhindert für uns Europäer schon mal eine gewisses Fröhlichkeitsniveau.

Jedenfalls wurde ich dieses Jahr von einer indischen Gemeinschaft als Ehrengast in ihren Dorftempel eingeladen um dort eine Rede zu halten, an Veranstaltungen teilzunehmen und Preisverleihungen durchzuführen.

Gleich zu Beginn durfte ich das Diwalifeuer entzünden. Nach meiner Rede (natürlich auf Indisch und im Wesentlichen von woher ich komme und dass ich mich geehrte fühle ….. ) wurden von den Kindern Aufführungen aus der Veda (quasi der Bibel der Inder) über indische Gottheiten und deren Taten dargeboten. Dann gab es Tanz, eine Preisverleihung für die besten Vorbereitungsarbeiten für zu diesem Fest und anschließend Essen und Feuerwerk.

Leider musst mich bald verabschieden denn schließlich gibt es hier immer noch eine Ausgangssperre ab 23 Uhr und ich hatte noch eine halbe Autostunde vor mir.

2 Jahre auf den Fidschis

Suva, Sonntag 8. November 2020, 22:00 Uhr

Nachdem nun die US-Wahl vorbei ist und der Terroranschlag in Wien ein wenig an Aktualität verloren hat, solltet ihr wieder Zeit haben meinen Blog zu lesen. (Zumal ihr wegen des Lockdowns ohnehin nur zuhause herum lungert. 😉 )

Ich hab‘ mal in meiner Beitragsliste ganz nach unten gespult und nachgelesen und wie ich’s vermutet habe, bin ich nun schön über zwei Jahre hier im Südpazifik. Am 8. Oktober 2018 habe ich Österreich verlassen und nach etwas über einer Woche Aufenthalt in Washington DC, bin ich am 17. Oktober auf den Fidschis angekommen. Seither habe ich euch mit 91 Blogbeiträgen (das ist ein Durchschnitt von rund einem Beitrag alle 2 1/2 Wochen) unterhalten. Die Anzahl der getippten Wörter, Buchstaben und eingestellten Fotos hab ich erst gar nicht gezählt. Ganz zu schweigen von dem Zeitaufwand.

Da ich nicht weiß, was ich euch in einer Jubiläumsausgabe schreiben sollte und auch nicht nach den „best of“s kramen möchte, berichte ich euch über Breitensport auf den Fidschis.

Nach wie vor zählt dieses Land zu jenen mit der höchsten Diabetes -Rate. Hier soll es auch sehr viele Übergewichtige geben. Diese Entwicklung dürfte aber meiner Beobachtung nach im Abklingen sein und nur die ältere Bevölkerung betreffen. Zwar ist meine Beobachtungsstichprobe hauptsächlich durch die Hauptstadt Suva geprägt, jedoch hatte ich auf meinen Ausflügen über Land kaum den Eindruck, dass junge Leute übergewichtig wären. Dies scheint eher ein Phänomen der beiden vorangegangen Generationen zu sein. Nach Beendigung des Kanibalismus im 18 Jahrhundert, ernährte sich die Bevölkerung überwiegend gesund von Fisch, Tierfleisch und Pflanzen. Erst die Handelsöffnung des Landes in den 60er Jahren, mit der der Import von billigen und wohlschmeckenden Kohlehydratsnacks und gezuckerten Limonaden ermöglicht wurde, führte in der nicht an eine solche Ernährung gewohnten Bevölkerung zu einem kräftigen Gewichtsschub.

Zwar startete die Regierung mit ausländischer Unterstützung Kampagnen zur Propagierung für mehr Bewegung und Sport, jedoch scheint der Haupttreiber der Umkehr dieser Entwicklung ein anderer Faktor zu sein. Das Internet und der Zugang zu internationalen Filmen und Medien haben meines Erachtens zu einem Sinneswandel geführt. Die Jugend schloss sich den globalen Schönheits- und Gesundheitsidealen an die über Instagram, Facebook und dem Fernsehen zu ihnen drangen. Hier wird fleißig gepostet und gelesen.

Ich sehe kaum übergewichtige Jugendliche, hingegen viele sportliche Menschen. Auf dem Land wird es vielleicht weniger sportlich zugehen, aber die Landwirtschaft und das schlechte Straßennetz erzwingen mehr Bewegung als es in der Stadt notwendig ist.

Zentrum des Sports sind sind neben den Rugbyfeldern auch Fitnessstudios, die gut besucht sind. Sowohl Indischstämmige als auch indigene Fidschis sind sehr aktiv. Sehen kann man das vor allem im Albert Park wo neben Gymnastik, Kampfsport, Rugby, Volleyball und Fußball auch manchmal Cricketspiele stattfinden. An den Letzteren beteiligen sich natürlich nur Inder. Man könnte bei diesen Spielen zwar zusehen, aber es lassen sich dabei keine Regeln erkennen, deren Verstehen aber notwendig ist. Scheint wohl das komplizierteste Spiel der Welt zu sein. Jeder der bei American Football oder Rugby schon mal zugesehen hat, hat sich sicherlich oft über den Ablauf gewundert. Aber Cricket ist das Ganze hoch zwei (oder drei). Ich glaube man muss auch weniger sportlich als geschickt sein. Nun gut, wen es interessiert der kann ja mal googeln.

Und siegen und feiern tun sie auch sehr gerne, die Fidschianer 🙂

Fiji Day

Suva, Dienstag 13. Oktober 2020, 22:00 Uhr

Am Samstag war Fiji Day, oder besser gesagt Fidschis 50. Jubiläum der Unabhängigkeit von Großbritannien. Zuvor war Fidschi wie fast alle Inseln des Südpazifiks britische Kolonie. Dieser Tag wurde natürlich groß gefeiert. Meines Erachtens aber nicht groß genug. Der nämliche Samstag der 10. Oktober war enttäuschenderweise in der Stadt normaler Einkaufssamstag. Die Leute waren zwar etwas kostümiert und die Geschäft nett dekoriert aber es war eben kein arbeitsfreier Tag der die Leute dazu verleitete an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

Die Zeremonie verlief am Stadtrand im Albertpark. Dort wo vor 50 Jahren Prinz Charles in Vertretung der Königin an der feierlichen Fahnenübergabe teilnahm. Damals war er noch ein ziemlicher Jungspund, wie ihr auf dem Foto sehen könnt. Es gab natürlich auch ein Militär- und Polizeiparade mit Ansprachen vom Präsidenten und dem Bundeskanzler. Viele Länder schickten Grußbotschaften. Die Notenbank legte zur Feier des Tages eine neue 50 Fidschidollar Banknote und neue, bunt lackierte 50 Cent Münzen auf.

Im Museumspark gleich daneben gab es eine Markt mit Essen und dem üblichen Kunsthandwerk und auch eine Konzert bei dem diverse lokale Gruppen aufspielen durften. Und es wäre nicht Fiji wenn nicht die Leute fröhlich zu einheimischer Musik tanzen würden. Dies setzte sich auch noch am Sonntag fort. Was tat ich? Ich gaffte, lauschte, fotografierte für euch und aß auch dort.

Tauchen in Savusavu

Suva, Mittwoch 30. September 2020, 22:00 Uhr

In meinem letzten Blogeintrag habe ich euch von meinem Aufenthalt in der Stadt Savusavu auf der Nachbarinsel Vanua Levu berichtet und geschrieben, dass ich euch eine Schilderung meiner beiden Tauchgänge dort ersparen werde, da sie eigentlich recht unspektakulär waren. Das stimmt zwar, jedoch hat mich die Tauchbasis gebeten ihnen meine Fotos zu schicken, da sie diese eventuell auf ihrer Homepage veröffentlichen wollten. Insbesondere ein kleiner Schaukelfisch (frogfish) hat es ihnen angetan. Zwar kennen sie diese häufig auf den Philipinen anzutreffende Art, jedoch konnten sie noch keinen Vertreter davon in hiesigen Gewässern sehen. Mein Tauchguide (den ihr auf einem Foto sehen könnt) hat einen solchen Freudenschrei beim Anblick unter Wasser ausgestoßen, dass ich diesen gut hören konnte.

Also habe ich meine Fotos an die Tauchbasis gesendet und bemerkt, dass einige davon wirklich gut gelungen sind. Auch unspektakuläre Tauchgänge können offenbar schöne Fotos hervorbringen. Also möchte ich diese auch mit euch teilen. Zudem stelle ich auch drei Videos hier ein. Eines von Sandaalen (bitte unbedingt auf das Doppel-A im Namen achten) auf dem schön zu erkennen ist, wie sich diese synchron bei Annährung in den Sand zurückziehen. Ein weiteres von Weichkorallen mit dem Namen „Magic coral“ die sich bei Berührung nicht nur weiß verfärben sondern vor allem die Ausbreitung der Farbänderung über das ganze Tier (ja, Korallen gehören zu den Tieren und nicht zu den Pflanzen) ist ein Genuss. Und eine wunderschöne Nacktschnecke ist auch zu sehen. Der Rest spricht für sich selbst und ich erspare euch mein Gelabere.

Savusavu

Suva, Samstag 12. September 2020, 20:00 Uhr

auf nach Vanua Levu

Da in den USA Montag der 7. September Labor Day war, hatte die gesamte Belegschaft des IWF frei. Auch wir auf den Fidschis. Und oben drauf gab man uns auch noch Freitag frei. Diese lange Wochenende muss man natürlich für ein Abenteuer nutzen und schließlich muss ich euch ja wieder Interessantes berichten, sonst verliere ich euch ja als Publikum.

Da ich gehört habe, dass auf der Nachbarinsel Vanua Levu (der zweitgrößten Insel der Fidschis) vor der Hauptstadt Savusavu eine ortsansässig Schule von Hammerhaien gelegentlich besucht werden kann, habe ich mein Tauchausrüstung geschnappt und mich zum Flughafen begeben. Neben dem Gepäck musst auch ich auf die Waage. Mit einem wirklich sehr kleinen Flugzeug ging es durch die Lüfte. Nach einem angenehmen Flug von 30 Minuten landeten wir in Savusavu. Den Flughafen kann man sich als kleine Bretterbude vorstellen und das Gepäck wird ohne Förderband ausgehändigt. So mag ich es. Das ist ungewöhnlich und eher einem Abenteuer entsprechend.

Von Savusavu hört man öfters und ein fröhliches Fidschilied (siehe Video, oder besser gesagt höre Video) gibt es auch davon. Auch das hat mich gereizt.

Ich stieg in ein Taxi und sagte dem Taxifahrer, dass ich zum Naveria Hights Hotel möchte. Er meinte, das sei gut und schön aber dorthin könne er mich nicht bringen. Auf meine Frage was ihn daran hindere meinte er, dass er dort mit seinem Wagen nicht hinauf könne. Man braucht hierfür einen Wagen mit viel Bodenfreiheit und Allradantrieb. Ich fragte ihn ob es Sinn mache, dass er mich zumindest so nah ran wie möglich bringt und ich den Rest zu Fuß bewältige. Er meinte das sei möglich.

Es war ein sehr kleines, aber gemütlich Hotel mit toller Aussicht. Da ich aber kein Hotelsitzer bin sondern gerne die Gegend erkunde, musste ich zweimal am Tag rauf und runter (Nachts übrigens nur mit Taschenlampe oder Handylicht möglich). Aber das hält fit. Man aber könnte auch das hoteleigene Allradtaxi rufen lassen, was ich aber nicht getan habe.

Es ging dann vom Flughafen durch die „Stadt“ Savusavu und weiter zum Fuße der Hotelauffahrt. Alles in 10 Minuten, sehr überschaubar. Selbst zu Fuß war der Aufstieg eine Herausforderung, obwohl ich recht fit bin. Mich wunderte, dass da ein Allradauto hinaufkommen soll. Ich bin aber später dahinter gekommen, dass es noch einen anderen längeren Weg zum Hotel gibt. Aber auch nur für Allrader, wenngleich ein bisschen (aber wirklich nur ein bisschen) weniger steil. Interessant, dass beim Aufstieg am Wegesrand, wie bei uns die Walderdbeeren, Ananas wachsen.

Savusavu Abendidylle

Vor Einbruch der Dunkelheit stieg ich den Berg hinab um in der Stadt mein Abendessen einzunehmen. Eigentlich ein Urlaubsort für Yachtbesitzer aus Australien und Neuseeland. Zurzeit aber aufgrund der Covid-Krise ziemlich leer. Spannende kleine Geschäfte, eine nette Hafenpromenade, schöner Yachtclub mir Veranda am Meer mit gutem Abendessen. Dann noch in die winzige örtliche „Disko“ (schon wieder ein Wort in Anführungszeichen aber ich glaube ihr wisst was damit gemeint ist. Wer nicht, sehe sich einfach das Foto unten an) auf ein Gute-Nach-Bier (es gibt Fiji-Gold und Fiji-Bitter) beide recht gut (Also von wegen es gibt kein Bier auf Hawaii).

Zum Tauchplatz

Die Tauchschule holt mich am nächsten Morgen vom Fuße des Bergs ab (die kommen also auch nicht rauf, sind aber auch Taucher und keine Bergsteiger). Enttäuschung: Das mit dem Hammerhaien wird nichts. Diese sind außerhalb des Riffgürtels und schon innerhalb des Gürtels sind die Wellen beträchtlich. Das sehe ich ein (das Boot hoppelte tatsächlich von Welle zu Welle). Habe – wie meistens – den Tauchgang nur mit dem Tauchguide durchgeführt. Andere Tauchgäste gab es nämlich nicht. Der Tauchgang war nett aber unspektakulär. Somit habe ich euch keine Bilder eingestellt.

Die Dorfdisko

Tja und der Rest des Tages verlief dann ruhig. Ein kleines Nachmittagsschläfchen und später runter vom Berg und zum Essen und spazieren. Abermals ein Gute-Nacht-Bier in der „Disko“ und wieder war ich der einzige Weiße dort. Also ein kleine Attraktion.

Der Fleischhauer ihres Vertrauens

Den nächsten Tag war das Wetter auch nicht gerade großartig. Ich setzte mich nach dem Frühstück auf den Balkon und arbeitete an meinem Laptop. Der Hunger zu Mittag trieb mich wieder runter vom Berg und danach ging es wieder hinauf. Schläfchen machen, arbeiten und wieder runter zum Abendessen. Kein Gute-Nacht-Bier weil die „Disko“ am Sonntag geschlossen hat. (Die Fidschis oder generell die Länder der Südsee, sind sehr römisch katholisch und besuchen fleißig die Kirche).

Am Montagnachmittag (nachdem ich zuvor natürlich wieder unten in der Stadt zum Mittagessen war) ging es wieder zum winzigen Flughafen, auf die Waage und ins Flugzeug. Naja, hatte schon mal spannendere Abenteuer erlebt aber der Ort und die Menschen sind sehr nett . Zumindest hab ich jetzt das aus den Liedern berühmte Savusavu kennenglernt. Die Hammerhaie müssen halt warten.