Das harte briefing

Vor das Vergnügen hat Gott angeblich die Arbeit – in diesem Fall das Briefing – gestellt. Bin erst am Montag nach Washington DC gereist, da am Montag Columbus Tag und damit US-Feiertag ist. Gleich am Dienstag ging es dann um 9 Uhr los. Eine Info-Sturzflut die an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Personen erfolgt. 20181009_085853Ich bin der einzige Briefling (schöne Wortkreation) und somit wird mir ungeteilte Aufmerksamkeit zu Teil (nicht so schöne Satzkreation mit Wortwiederholung). Alle sind sehr nett und bemüht, aber so ganz professionell lief auch hier die Planung nicht ab. Ich erfahre zwar wann und ungefähr worüber gesprochen wird, allerdings steht im Plan nichts über den Raum, in dem das jeweilige Gespräch stattfinden soll und wer mit mir sprechen wird. Das wissen die dort Zuständigen manchmal selbst nicht so genau. Naja, man ist ja jung, kann warten oder viel herumgehen.

Das erste Briefing dauert 45 Minuten und dreht sich um mein Gehalt, Zulagen und deren Berechnung. Das war schon mal erfreulich. Das zweite Briefing dreht sich um Kranken- und Pensionsversicherung. Auch noch recht locker. Dann erklärt mir die Sicherheitsexpertin die Sicherheitsrisiken in den zu bereisenden Ländern. Top of the list: Papua Neuguinea mit sehr hohem Risiko, die andern Länder sind dagegen angeblich harmlos, sieht man von Verkehrsrisiken und Naturkatastrophen ab. In der Mittagspause war ich zuerst in der Kantine und hab ein Chicken Tikka Masala gegessen. Schöne, nicht überfüllte Kantine mit gutem Essen. Habe danach noch schnell ein unerlässliches US-Bankkonto eröffnet (man glaubt es nicht: In den USA gibt es noch Schecks und ich bekomme gleich 10 Blankoformulare für mein Konto ausgehändigt).

Dann geht es in ein anderes Gebäude rüber zur Weltbank um mich dort impfen zu lassen. Neue Registrierung und das ganze Eintrittsprozedere nochmals. 20181008_172226Dort wissen sie dann aber angeblich nichts von meinem Kommen. Langes Telefonieren und Warten. Schließlich klappt es dann doch. Ich verneine die Frage, ob ich wisse wo ich hin müsse. Mit einem Schmunzeln über mein Unwissen sendet man mich ins Untergeschoss ohne Raumangabe. So klein ist das Untergeschoss dann doch nicht und während ich suche steigt mangels solcher Unprofessionalität ein wenig der Zorn in mir hoch. Die nette afrikanische Krankenschwester bringt mich aber schnell wieder ins Lot. Erzählt mir ein wenig über die Gesundheitsrisiken in den Ländern, wobei hier abermals Papua Neuguinea neben Ost-Timuor und den Salomon Inseln heraussticht. Bewundernd über meinen kompletten Impfpass und die Vorbereitungen (ein Hoch auf das österr. Gesundheitssystem) einigen wir uns schnell auf eine Gelbfieber- und eine Influenzaimpfung. Eine in jede Schulter, dann noch das kleinste Pflaster der Welt

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Das kleinste Pflaster der Welt

drauf, eine Bestellliste für Gratismedikamente (Malariatabletten, Insektenschutzmittel, Wasserreinigungstabeletten,…) ausgefüllt (darf ich mir dann am Freitag vor meiner Weiterreise auf die Fidschis abholen) und dann darf ich wieder zurück zum IWF, wo ich mangels eines permanenten Zutrittsausweises (so einen bekomme ich angeblich erst morgen) wieder ein Zutrittsprozedere über mich ergehen lassen muss.

Bislang waren ja die Briefings eher interessant, unterhaltsam und easy. Aber das nächste hat es in sich. Administrativer Formularwahn im Rahmen von meinen Dienstreisen. Genehmigung, Budgetierung, Fortschrittsbericht, Jahresbericht, Millionen von Abkürzungen,…. Für all das gibt es natürlich eine eigene Software mit FAQ und Videos zur Anleitung (offensichtlich hat man die Erfahrung gemacht, dass hier die schlausten Köpfe aussteigen oder meutern wie damals auf der Bounty). Dann muss ich noch einen online IT-Sicherheitstrainingstest absolvieren. Also phishing, USB-Sticks, Passwörter, sichere Verbindungen, etc. Ein kleines Video vorab und dann Prüfungsfragen. 80% muss man erreichen und für jede richtige Antwort gibt es 5 Punkte, für jede falsche Antwort werden gleich 20 Punkte abgezogen. Diesen halbstündigen Test schaffe ich in der Zeit. Der zweite Pflichttest würde noch eine weitere Stunde dauern, aber da es schon 19 Uhr ist, mich Hunger und Jet-Lag quälen, lass ich es für heute gut sein. Schnell noch zum Inder auf ein Abendessen und dann nach Hause. Heute kein Besuch im hoteleigenen Fitnesscenter. Zu müde. Auch zum jetzt noch Weiterschreiben. Gute Nacht euch allen, wo ihr doch fast schon am Aufstehen seid.

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