Vanuatu 1

Port Vila, 14. November 2018, 19:30 Uhr VNT

Manche von euch wollen mir mein fehlendes Heimweh nicht glauben. Ich sitze gerade in einem kleinen Propellorflugzeug von Fidschi nach Vanuatu in der Business Class. Die nette Stewardess serviert mir ein gut riechendes Curry und fragt welchen Wein ich dazu möchte. Ich sehe hinunter auf wunderschöne Inseln (siehe Foto) . Ich träume und sehe mir das azurblaue Wasser genau an. OMG isz das schön. Jetzt ratet mal wieviel dabei Heimweh dabei aufkommt.

20181111_102426

Wir landen am Bauerfield Flughafen. Übersichtlich wie ich es mag: Nur ein Gepäckförderband, eine Geldwechselstube, ein Bankomat und ein Dutyfreeshop. That’s it. Mehr braucht es nicht um ein Flughafen zu sein. Der Dutyfreeshop hat natürlich nur bei Bedarf geöffnet. Das heißt, wenn einmal ein Flugzeug gelandet sein sollte. Die Verkäuferinnen lachen, weil sie mit Verspätung öffnen. Scheint hier auf der anderen Seite der Welt recht gemütlich zu zugehen. Das bringt diesem Land gleich einmal einige Sympathiepunkte meinerseits ein. Schnell ein Flasche Rum gekauft. Das einzige Kreditkartenlesegerät ist kaputt, schon seit einem Monat klärt man mich auf. Als würde dies den Entschuldigungsgrad steigern – eher im Gegenteil. Aber ich bin entspannt. Ich zahle mit Bargeld, da ich noch keine Kaurimuscheln besitze.

5 Minuten Taxifahrt ins Hotel. Zur Begrüßung bekam ich ein Muschelkette (keine Kauris) umgehängt. Klischees müssen bedient werden. … und ich mag das. Wow! Wunderschöne Lage. Es ist warm. Sonne und Wolken wechseln sich ab. Nach dem Beziehen des Zimmers starte ich gleich eine Erkundungstour in der Anlage. Nach einem kühlen Bier an der beach Bar fühle ich ein wenig erschöpft und lege mich in eine Hängematte. Hätte ich zuvor Heimweh gehabt, wäre es spätestens jetzt weg.

20181111_125313

Noch dazu weil ich ja weiß, dass Wien zur Zeit in dichten, feuchtkalten Nebel gehüllt ist. Ich hingegen sollte aufpassen keinen Sonnenbrand zu bekommen.

20181111_150649

Am Abend gehe ich zum Hafen um bei Sonnenuntergang mein Abendessen einzunehmen. (Heimweh?). Nach drei Gängen und wirklich nur zwei kleinen Bier gehe ich zurück in mein Hotel. Die Autos fahren hier rechts, Beschilderungen sind oft französisch, ein wenig ordentlicher als in Suva.

Am nächsten Morgen Arbeitsantritt. Während die Belegschaft samt ihrem Chef dicht gedrängt sitzt, bekomme ich ein großes Büro ganz für mich alleine samt Klimaanlage. Ich dachte, dass es hier lockerer zugeht. Alle arbeiten hier bienenfleißig ruhig vor sich hin und das über Stunden. Seit dem Morgen regnet es. Einen kurzen Versuch ins Freie zu gehen um Mittag zu essen gebe ich wieder auf. Ich arbeite von 9 bis 17 Uhr. Ohne essen, ohne trinken, ohne Pause.

20181113_083137

Am nächsten Tag schönes, ausgiebiges Frühstück mit Ausblick auf eine verregnete Palmenlandschaft. Aber dafür mit frischer Kokosnussmilch direkt aus der Nuss. Leider wieder mit dem Taxi in die Arbeit, dabei würde ich so gerne gehen. Diesen Abend gibt es mir zu Ehren Kava. Diesmal nicht aus Pulver wie auf Fidschi sondern aus der Wurzel direkt gemacht, aber dafür in Plastikflaschen geakuft. Wir stehen auf dem Balkon mit Ausbick auf den Garten und dem dahinter liegenden Meer, dass im roten Sonnenuntergangslicht badet.

Kein Ritual mit Klatschen sondern ein kleiner Schluck für die Ahnen in den Garten gespuckt, und dann auf ex runter gekippt. Dann wird auf Teufel-komm-raus gespuckt und geräuspert. Spucken ich ist hier unter den Männern generell ein Volkssport. Auf den hölzernen Balkonboden darf natürlich gesuckt werden. Selbst die Chefs machen das. Ich nicht. Kava ist zwar nicht umbedingt eine geschmackliche Offenbarung aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht.

Ich werde von einem Kollegen nach Hause gebracht. Hier herrscht VNT time, also Vanuatu Time. Nur zwei Stunden von Fidschi entfernt, aber satte 2 Stunden Zeitdifferenz. Durch die fehlende Sommerzeit ist es hier schon um 18 Uhr dunkel. Ich hasse das. Nur eine Stunde Tageslicht nach Ende der Arbeit. Mein Handy zeigt zur Zeit 5 Zeitzonen. Washington, Österreich, Thailand, Fidschi und Vanuatu.

Nehme mir vor in Hinkuft schon um 8 Uhr in der Arbeit zu sein um früher Schluss machen zu können und um so noch was vom Tag zu haben. Schade, dass wir uns in Europa von dieser guten Idee verabschieden wollen. Ich bleibe diesen Abend bei diesem Sauwetter im Hotel.

Mittwochmorgen. Es regnet nicht mehr und ich gehe vom Hotel aus zur Arbeit. Die Arbeit macht mir Spass. Ich habe vollkommen frei Hand und kann alles neu gestalten. Man scheint mich hier zu schätzen. Nicht nur, dass ich das schönste und größte Zimmer inklusive Sitzgruppe habe, sondern seit heute morgen steht bei mir auch eine Kaffeemaschine mit mehreren Tassen im Zimmer. Der Chef ist über den neuen intuitiv logischen Aufbau der Dateien und dem Modell zum Rinderbestand sehr zufrieden. Über den Fertilitätsgrad kann er nun die Population kontrollieren ohne, dass die Zahl der Tiere sich explosionsartig sich vermehrt wie im alten Modell. Als nächstes hätte er gerne die Fischereiaktivitäten der letzten Jahre berechnet. Ich staune. Wie kann ein Land für das das ein so wichtiger Wirtschaftszweig ist so wenig Daten darüber haben. Ich muss wieder tief in die Annahmen und Kretivitätskiste greifen. Die Sonne scheint draußen, ich beeile mich fertig zu werden. Heute möchte ich zum Abendessen wieder ausgehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s