Feste feiern auf den Fidschis

Suva, Montag 3. Dezember 2018, 16:20 SUT

Meine Integration schreitet voran. Nach meinem Fidschi Führerschein und der Steuernummer habe ich mir nun die traditionellen Sandalen, den Rock für Herren (Zulu) und Hawaiihemden besorgt. Ich spreche auch ein wenig Fiji und ich darf auf Festen teilnehmen zu denen üblicherweise keine Touristen eingeladen sind. Herrlich 🙂

Die erste Feier war die Pensionierungsfeier des Government Statistician, also des Generaldirektors des Statistischen Amtes

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Dem Ehrengast wird Kava gereicht

von Fidschi. Leider war in diesem festlich dekorierten Saal die Klimaanlage ausgefallen …. oder sie wurde abgedreht weil die Hitze  einfach dazu gehört.  Wie hier meist üblich wurde zu allererst ein Gebet gesprochen. Was – aufgrund des hohen Anlasses – von einem Priester erledigt wurde. (Auch beim morgendlichen Beginn von Konferenzen habe ich schon ein Morgengebet erlebt oder wenn gemeinsam gegessen wird. Sehr christlich geht es hier zu.) Er sprach manchmal Fiji manchmal Englisch. Schon nach einer viertel Stunde war er damit fertig.

Es folgten weitere Ansprachen und Danksagungen mit Überreichung irgend einer symbolträchtigen Kette (diese kommt auch im Wappen von Fidschi vor und Prinz Harry hat auch eine solche bekommen).

Und noch eine Ansprache folgte. Es wurde ein Bund Kavawurzeln auf den Boden gelegt und danach Kava zubereitet. Aber nicht herkömmlich mit den beigestellten Wurzeln. Das wäre ihnen dann doch zu mühsam. Also Instantsäckchen ins Wasser geschüttet und mit dem Schälchen (Kokosnusshälfte) umgerührt. Dann tritt einer vor und reicht dem ersten eine Schale. Der Überreicher klatscht einmal in die hohle Hand. In einem Zug runter und wieder Klatschen. Diesmal drei mal. Der nächste ist dran. Nicht alle bekommen was. Nur die höchsten Anwesenden (ich also nicht).

Dann wird noch gesungen. Mehrstimmig. Wunderschön, ehrlich. Ich zeichne mit meinem Diktiergerät auf. Vielleicht bekomme ich dieses Lied ja von wo. Shazaam und YouTube kennen es jedenfalls nicht. Auch der indische Verkäufer selbstgebrannter CDs zeigt sich unwissend. Ich werde es aber schon irgendwie herausfinden. Hier für euch der Mitschnitt.

Genau so stellt man sich Fidschimusik vor. Ich mir jedenfalls.

Nun geht es endlich ans Essen. Während auf Vanuatu mittlerweile Plastiksackerl verboten sind, setzt Fidschi offenbar noch voll auf dieses innovative Material. Unser Essen bekommen wir auf Plastiktellern

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Die Familie des Ehrengastes darf bei Tisch essen

mit Plastikfolie abgedeckt und mit einer Plastikgabel und picksüßen Saft aus Plastikbechern (alles Einweg, versteht sich). Der Jubilar darf mit seiner Familie an einem Tisch auf Sesseln sitzen. Wir hingegen kauern

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… wir nur auf dem Boden

barfuß davor auf dem Boden und müssen mit den Händen essen. Zumindest die Inder machen das so. Ist dort so Tradition. Auch im indischen Restaurant wir das nicht anders praktiziert. Die Fijis machen das nur teilweise. Ich mühe mich mit ein Stück eines Grillhuhns ab um das Fleisch irgendwie von den Knochen zu bekommen. Vielleicht isst das Auge tatsächlich mit. Und das war dann auch der Grund warum es mir nicht so gut schmeckte.

Den nächsten Tag gleich die nächste Feier. Da viele der Belegschaft – wie mir mitgeteilt wurde – bereits Anfang Dezember auf Urlaub gehen (wieviel Urlaub haben die eigentlich?) muss die Weihnachtsfeier früh stattfinden. Also bereits wie diese am 30. November. Am Vormittag habe ich noch eine Unterredung mit einigen Leuten aus der Zentralbank und dem Wirtschaftsministerium. Sie zeigen sich mit den Änderungen und Korrekturen die ich eingemahnt habe erfreut. Danach gibt es noch Brötchen und Tee. Kurz vor Mittag ziehen sie wieder zufrieden ab. Wie solls heute weitergehen? Man meint, dass sich das heute Freitag nicht mehr auszahle. Ich soll nach Hause gehen und zur Weihnachtsfeier am Abend wiederkommen. So mag ich das. Ich gehorche auf’s Wort. Leg mich zu Hause in die Sonne und dann noch zum Sport. Schnell noch ein paar Sachen eingekauft. Vor allem die traditionellen Sandalen zum Rock. Die eleganten Halbschuhe wurden nämlich beim ersten Tragen belächelt. Jetzt heißt es beeilen und rasch noch duschen. Man hat mir gesagt, dass die Feier zwischen 17 und 18 beginnt. Ich komme mit schlechtem Gewissen um 17:30 Uhr an. Es scheint ein wenig zu früh zu sein. Es wird noch dekoriert und das Essen vorbereitet. Aha, es gibt sie doch noch die sagenumwobene „Fiji time“ . Ich unterhalte mich ein wenig, entscheide dann aber das Gebäude zu verlassen und vis-a-vis auf ein Bier zu gehen. Gute Idee. Nach einer halben Stunde werde ich nervös und trinke aus. Die Bardame fragt mich ob ich noch eines wolle. Ich gib ihr zu verstehen, dass die Feier wahrscheinlich schon voll im Gang sei und ich mich beeilen möchte. Sie lächelt nur und murmelt was von Fiji time. Ich gehe rüber und  ….. noch immer keine Party. Der Chef meint es könne noch ein wenig dauern. Mein Arbeitskollege von dort, der mich auf 17 bis 18 Uhr eingeschworen hat ist jetzt um 19 Uhr selbst noch nicht da. Ok. Wieder ein wenig Unterhaltung und dann wieder zum Bier. Unten auf der Straße treffe ich meinen Arbeitskollegen, der Inder im pinken Hawaiihemd und – so wie ich – mit umgehängter Muschelkette zeigt kaum schlechtes Gewissen. Er wird mich anrufen sobald es so weit sein soll. Die Bardame schmunzelt bei meiner Rückkehr und setzt ein Glas an den Zapfhahn. Nach zwei Schlucken läutet meine Telefon. Das Christkind kommt.

Die Bardame füllt mir mein Bier in einen Plastikbecher um (davon scheint man hier immer genug zu haben) und ich mache mich wieder auf den Weg zurück. Diesmal geht es wirklich los. Ein wenig seltsam die Party

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Geschenkverleihung

aber sehr herzlich. Man sitzt nicht auf dem Boden sondern diesmal im Kreis an Tischen auf Stühlen. Es gibt einen Christbaum (aus Plastik natürlich) und die Deko ist ein wenig zu bunt und glitzernd für mitteleuropäische Geschmäcker. Außerdem gibt es einen Ablaufplan. Jedoch ohne Zeitangabe. Man weiß hier wahrscheinlich schon, dass man den eh nie einhält, also steht nur 1., 2., 3., ….

Gleich bei Nr. 2 kommt das unerlässliche Gebet. Diesmal nur auf Fiji. Ich habe das natürlich aufgenommen. Lustige Sprache. Danach wird ein Programmpunkt nach dem anderen abgespult. Aber alles sehr lustig. Die Leute haben gute Laune, scherzen miteinander und necken sich. Unterschiedliche Preise werden verliehen. Den für die besten Mitarbeiter des Jahres darf ich überreichen. Ich bin sehr, sehr stolz. Fühle mich nun endgültig eingebunden. Echt cool. Ich bin gerührt und mir wieder einmal sicher, dass es eine gute Entscheidung war Wien zu verlassen. Es gibt hier so viel Wunderbares zu erleben.

Einer der Programmpunkte ist das Anschneiden einer Weihnachtstorte. Bis zum Schluss der Feier hat sich niemand ein Stück davon genommen. Es wurde auch nur ein Schnitt gesetzt und nicht etwas die Torte in Stücke geteilt. Naja, alles muss ich noch nicht verstehen. Oder darf ich gar nicht.

Es folgen weitere Punkte wie ein Engerl&Bengerl Spiel mit Geschenküberreichung, wobei die Belegschaft anhand

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Gratulation der Mitarbeiterin des Jahres

eines vorgelesenen Zettels auf dem die persönlichen Charaktereigenschaften stehen, den Beschenkten erraten muss. Danach gibt es noch unterschiedliche Pämien. Eine Frau bekommt den Preis für die bestangezogene Frau des heutigen Abends. Ich bekomme die für den bestangezogenen Mann. Ich trage alle Dinge die ein Fiji-Mann bei einer Feier haben sollte: Hemd, Zulu, Sandalen und Muschelkette. Besser geht es nicht. Preis gesichert.

Dann kommt das Essen. Zum ersten Mal bekomme ich auch eines der Nationalgerichte von den Fidschis „Kokonda“ serviert. In Plastikschale natürlich. Roher Fisch sechs Stunden mariniert in Zitronensaft und Kokosmilch und Zwiebeln, etc. Das durch die Plastikschüssel beleidigte Auge fährt der Zunge nicht dazwischen. Es schmeckt. Sogar besser als gedacht. Der Rest: naja. Ich mag es nicht wen überall in Asien das Huhn zerkleinert wird ohne die Knochen zu entfernen. Man muss ordentlich in den Mund greifen um die Knochen loszuwerden. Ich frag mich warum diese Faulheit des Kochs die Leute nicht stört. Anders als beim Rind oder vielleicht Schwein, trägt der mitgegarte Knochen doch nichts zum Geschmack bei, oder?

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Links Kokonda, rechts naja

Es wird noch getanzt. Aber wenig ausgelassen. Man merkt das Alkohol fehlt. Es wird zwar eine Art kalter Orangenpunsch gefeiert. Aber geschmacklich ist dieser noch schlechter als unserer. Alles picksüß. Auch Softdrinks sind keine Alternative. Ich verstehe nicht, wie ein Land das soviel Kokosnüsse und tolle Früchte hat soviel Getränke konsumiert die nicht im entferntesten an Früchte erinnern und voll von Zucker sind.

Ein wenig löst sich die Feier auch schon auf. Es ist 23 Uhr und einige sind schon gegangen, manche unterhalten sich auch lieber draußen. Ich habe ein gute Ausrede um nicht bis 1 Uhr durchhalten zu müssen. Ich muss früh aufstehen, weil ich zum Haitauchen angemeldet bin. Bin jetzt schon ganz aufgeregt.

 

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