Tupua Tamasese Meaole Hospital

Apia, Samstag 26. Januar 2019, 22:22 Uhr, SSTZ

So sehr hab ich mich auf dieses Wochenende und den Tauchausflug gefreut und dann endete das Ganze im Spital. 😦

Aber der Reihe nach. Es war ein prächtiger Morgen (siehe erstes Foto) und nach dem Frühstück ging es zum Tauchcenter.

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Nach dem check-in fuhren wir mit einem kleinen Bus eine kurze Stecke zu einer Bootsanlegestelle. Unser kleines Boot ließ nicht lange auf sich warten (Foto 2). Wir waren angenehmer Weise nur eine kleine Gruppe. 20190126_111220Ein junges Pärchen aus London, dass sich für 4 Monaten auf einer Weltreise befindet (LA, Hawaii, Fidschi, Samoa, Philippinen, Burma und Indien), eine Tauchlehrerin und ich. Natürlich auch noch der Kapitän und sein Helfer, die aber beide nicht tauchten. Da das Pärchen noch aus Tauchanfängern bestand ging es nur in geringe Tiefe (20 Meter).

Wie mir der Chef des Tauchcenters vorhergesagt hat war der erste Tauchgang wenig spektakulär. Ein nettes Riff mit ein paar bunten Fischen.

 

Leider war die Fotoausbeute nicht besonders hoch, da das Wasser sehr trüb durch hohen Planktongehalt war. Danach gingen wir wieder an Bord und statt Wasser bekamen wir Kokosnüsse. Diese wurden vom Bootspersonal geschickt mit einem Bleistück geöffnet und wir tranken das Wasser und aßen später davon.

Wir wechselten den Bootsstandort und fuhren zu einem anderen Tauchplatz. Der weibliche Teil des Pärchens wollte keinen zweiten Tauchgang machen und so tauchten wir zu dritt. Wunderschöne Schluchten mit Steilwänden. Teilweise sehr eng. Wie Höhlentauchen nur ohne Decke und mit mehr Licht. Leider war das Wasser noch trüber und die Sicht sank unter 10 Meter. Über uns braute sich ein Gewitter zusammen. Es wurde dunkler und der Seegang nahm zu, was man sogar in der Tiefe spürte.

 

Nach 40 Minuten ging es wieder an Bord. Tja, und da passierte das Unglück. Ich hielt mich nicht an der Sprossen der Leiter fest sondern umfasste, um den seitlich einlaufenden Wellen besser Widerstand leisten zu können, den senkrecht verlaufenden Holm an den die Sprossen montiert sind. Der war gerade mit der Hand zu umfassen, da eine Welle die Leiter vom Boot wegspülte. Leider war die Welle bald vorüber und die Leiter fiel zurück an die Bordwand des Bootes und meine Finger dazwischen. Die Quetschung verursachte einen tiefen Riss entlang der Nagelwurzel und es blutete heftig.

An Bord wurde ich rasch verbunden. Nachdem wir wieder an Land waren ging es zurück zum Tauchcenter. Ich bezahlte noch und 20190126_152953nahm mir ein Taxi zur Notaufnahme des Tupua Tamasese Meaole Spitals. Ich sage euch, das ist vom Standard her um einiges weiter unten als unsere. Die meisten Patienten liegen dort in Cubicals, also keine Zimmer sondern Bereiche, die nur durch Vorhänge abgegrenzt sind. Bei Familienangehörigen.

Plötzlich taucht der Chef des Tauchcenters auf um nach mir zu sehen. Bald darf ich ins Operationszimmer zur Befundaufnahme. Die Liege war schon sehr zerschlissen. Die Arme der OP-Scheinwerfer angerostet. Ober mir an der Decke fehlte ein Deckenpanel und man konnte sehen, dass darüber ein Kabelschlauch verlief, den ein dicke Staubschicht umhüllte. Da kann ich nur hoffen, dass während einer Operation kein Staub in die offene Wunde rieselt.

Eine Schwester entfernt mir meinen Verband (dieses Foto erspare ich euch) und beginnt die Wunde mit einer 20190126_155347Flüssigkeit zu reinigen, die höllisch brennt. Bislang waren die Scherzen ja eigentlich recht milde. Kopfschmerzen sind unangenehmer. Ich sehe mir das Ganze an, obwohl ich da eher einen empfindlichen Magen habe. So schlimm wie ich mir dachte. Der Nagel stand am andere Ende aus dem Finger heraus und links und rechts davon war auch das Fleisch eingerissen. Igitt. Nun muss ich auf die Ärztin warten, die sich das ganze Malheure ansieht. Es ist bereits 15 Uhr und da ich seit dem Frühstück nichts mehr richtiges gegessen habe, habe ich mächtig Hunger. Und ich friere. Die Klimaanlage ist viel zu tief eingestellt. Dabei gewinnt Samoa, wie viele Inseln dieser Region, seine Elektrizität aus Dieselgeneratoren. Sehr umweltunfreundlich und teuer.

Endlich kommt die Ärztin. Mir schwant Böses. Sie schlägt vor den Finger mit ein paar Injektionen zu betäuben und den Nagel zu entfernen. Ich schlage vor, den Finger nur einzubandagieren und mich nach Hause zu schicken. Sie schließt sich meiner Expertise an. Gut, dass ich selbst Doktor bin. (Ihre Bedenken waren, dass sich das Ganze dann leichter entzünden kann. Meine Bedenken waren, dass ein Finger ohne Nagel nicht gut aussieht und es höllisch weh tut.) Ich bin daher für erst mal abwarten und verspreche regelmäßig vorbeizuschauen um auf Entzündungen kontrollieren zu können.

Puh … erstmal mit dem Schrecken davon gekommen. Ich hoffe ich habe Recht und mein Körper verhält sich so, wie ich es von ihm gewohnt bin. Ich gehe zur Kassa um zu bezahlen. 40 Tala möchte man. Das sind umgerechnet 13 Euro. Das geht. Um diesen Preis bekommt man bei uns nicht einmal einen Haarschnitt. Außerdem zahlt das eh meine Krankenversicherung. Der Chef des Tauchcenters ist immer noch da und hat auf meinen Rucksack gut aufgepasst. Er bietet mir mich zu meinem Hotel zu bringen, was ich gerne annehme. Dort bestelle ich mir gleich einmal eine Kalorienbombe. Eine Pizza und zwei Bier später gehe ich auf mein Zimmer und packe mühsam meine Tauchsachen aus um sie zu spülen. Nach einem kleinen Schläfchen schreibe ich für euch diese blog. Einhändig, versteht sich, Also bitte nicht nörgeln, wenn sich diesmal noch mehr Tippfehler drin sind als sonst. Und … ich halte euch über meinen Gesundheitszustand auf dem Laufenden.

 

Ein Kommentar zu „Tupua Tamasese Meaole Hospital

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