Nur 10 Tage hier und schon in der Zeitung

Apia, Donnerstag 31. Januar 2019, 21:00 Uhr STZ

Für alle Besorgten: Meinem Finger geht es bestens, keine Schmerzen und die Wunde ist trocken und verheilt gut. Heute habe ich in einer Apotheke unter Mithilfe von zwei Verkäuferinnen den Verband gewechselt. Augenschmaus ist der Finger aber noch immer keiner. Aber lassen wir das.

Ihr fragt euch sicher in welcher Zeitung ich abgebildet wurde. Im Samoa Observer, aber nicht wegen meiner Verletzung und nicht im Wirtschaftsteil sondern in der Chronik. Aber der Reihe nach.

Der kleinste Staat dieser Region ist wohl Tokelau. 1300 Einwohner, kein Flughafen, zwei Atolle der drei haben nicht einmal einen Hafen (dort wird man in einem kleinen Beiboot an Land gebracht). Es gibt dort natürlich auch kaum eine Verwaltung. Die sitzen hier in Apia. Gleich über die Straße bei mir ist ein Gutteil der Verwaltung von Tokelau. Ich habe den für die Verbraucherpreiserhebung Zuständigen vor ein paar Tagen zum Mittagessen getroffen. Ein Niederländer der nach dem Studium nach Neuseeland ausgewandert ist. Nun ist er schon seit 5 Jahren hier und mit einer Samoanerin verheiratet.

Er hat mich gefragt ob ich Läufer bin. Ich habe gesagt „Ja, ab und zu“ . Er hat mich zu einem Treffen seines Laufklubs eingeladen. Ob ich nicht die Hash House Harriers kenne? Nie davon gehört. Dort wird ein wenig gelaufen und dann viel Bier getrunken. Wikipädia sagt „Ein Trinkverein mit einem Laufproblem“. Hört sich gut an. Ich bin dabei. Wir müssen aber zuerst neben dem Laufen auch was Soziales machen. Das gehört sich dort so. Und schließlich muss man sich das Biertrinken auch verdienen. Soll mir recht sein. Wir treffen uns am Montag zuerst bei seiner Familie (süße Kinder) und fahren dann mit seiner Frau zur australischen Botschaft „High Commission of Australia“. Diese ist diemal Gastgeber. Das Malheur mit meinem Finger ist erst nach meiner Zusage passiert. Habe mich aber nicht davon abhalten lassen trotzdem zu kommen. Könnte ja was verpassen.

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The Billabong der australischen Botschaft

Wir fahren zur Botschaft. Schöne Luxusgegend, wo in der Nähe auch die letzte Ruhestätte und das ehemalige Anwesen von Robert Louis Stevenson (Autor von „Die Schatzinsel“ und „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“, gestorben 1894)  ist, welches nunmehr ein Museum beherbergt. Wir bekommen jeder einen Müllsack und laufen los. Es ist viel zu finden. Die Leute werfen hier wirklich viel in die Landschaft. Natürlich mokieren wir uns darüber. Andererseits müllen diese Leute nur ihre eigene Insel zu, fahren aber kaum mit Auto oder schon gar nicht mit dem Flugzeug auf Urlaub. Für das CO2-Problem, dass ihnen jetzt so zu schaffen macht (Wirbelstürme und Meeresspiegelanstieg) sind sie eher nicht verantwortlich.

R. L. Stevenson Haus
R.L. Stevenson Haus

Nach etwas über einer Stunde ist der Spuk vorbei und wir treffen uns mit prall gefüllten Müllsäcken wieder bei der Botschaft. Sofort wird das Bierfass angeschlagen (na endlich!) und fast jeder dort beherrscht es Kokosnüsse an der Spitze aufzuschlagen um daraus trinken zu können. Geht auch mit einer anderen Kokosnuss. Muss ich mir auch einmal aneignen, diese Fertigkeit. Sobald die Nuss leergetrunken ist beginnt man entweder das Fruchtfleisch zu naschen oder befüllt die Nuss mit Bier. Rum soll angeblich noch besser geeignet sein.

Dann beginnt der „Circle“. Bitte lest euch das selbst auf Wikipedia unter https://de.wikipedia.org/wiki/Hash_House_Harriers durch.

Die Satzung der Hash House Harriers gemäß der Club-Registrierungskarte von 1950 lautete:

  • Förderung der physischen Fitness der Mitglieder
  • Erholung von den Nachwehen des Alkoholkonsums des vergangenen Wochenendes
  • Während des Laufs einen guten Durst zu generieren und diesen anschließend mit Bier zu stillen.
  • Die älteren Mitglieder davon zu überzeugen, dass sie nicht so alt sind, wie sie sich fühlen.

Klingt alles sehr vernünftig, wenn auch das folgende Ritual eher kindisch wirkt. Ich als Neuling muss in den Circle und Bier aus meinem Laufschuh trinken. Mitglied bin ich damit aber noch lange nicht. Das wird man erst wenn man die ganze Bande zu sich einlädt und bewirtet. Dann bekommt man auch einen Spitznamen. Während des Circles darf man andere nur mit ihrem Spitznamen ansprechen.

Immer wieder müssen andere, nach eher eigenartigen Kriterien ausgewählte, in den Ring treten und mit musikalischer Begleitung einen halben Becher Bier auf ex trinken (dem sogenannten „down-down“) und dann – zum Test – über den Kopf halten. Einige Kriterien waren diesmal der meiste Müll, der ekeligste Fund und der seltsamste Fund. Dann das entfernteste Land (ich musste wieder in den Ring).

Wer nicht trinkt oder nicht trinken darf, reicht seinen Becher einem Stellvertreter der das für ihn oder sie erledigt. Nach so rund einer Stunde ist alles vorüber und es endet mit einem Schlusslied. Dann gibt es Essen (hier waren es gegrillte Würstchen mit Salat und so, die gar nicht mal so schlecht geschmeckt haben. In Italien ist es schlimmer). Dann wird weitergetrunken. Da mein Kollege und seine Frau Kinder nach Hause zu ihren Kindern müssen, blieben wir nicht lange, was mir Recht war.

 

Was hat das nun mit meinem Medienaufritt in der Zeitung zu tun? Nun, in meiner heutigen Mittagspause ging ich auf einen Kaffee und blätterte zufällig die dort aufliegende Zeitung durch. Dabei stieß ich zu meinem großen Erstaunen auf ein Bild von diesem Event, mit mir in der Mitte im blauen Shirt. Cool, nicht?

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Der in der Mitte hinten mit dem blauen Shirt bin ich

 

Ich könnte euch noch einiges mehr erzählen aber morgen muss ich schon um 5 Uhr in der Früh aufstehen, da wir einen Betriebsausflug mit Übernachtung auf die Nachbarsinsel machen. Diese Insel ist zwar größer als die auf der ich jetzt bin, aber weniger besiedelt.

Aber einmal werde ich euch noch über Samoa berichten. Macht’s gut!

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