Eine samoanische Beerdigung

Suva, Dienstag 5. Februar 2019, 23:00 Uhr FST

Meine Integration in die Kultur des Südpazifiks schreitet voran. Nachdem ich auf den Fidschis an einer Pensionierungsfeier und einer Weihnachtsfeier teilnehmen durfte, war ich nun zu einer Beerdigung eingeladen.

Am letzten Tag Arbeitstag auf Samoa gab es einen Betriebs-Arbeitsausflug, zudem man auch mich einlud. Es soll auf die andere Insel gehen. Diese ist zwar ein wenig größer als die Hauptinsel mit der Hauptstadt Apia, aber auch dünner besiedelt. Hin kommt man nur mit der Fähre und ich werde bereits um 5:30 Uhr früh abgeholt, da wir die Fähre um 7 Uhr erreichen müssen. So schwer mir frühes Aufstehen fällt, so neugierig bin ich auf ein neues Abenteuer. Ich soll mir auch schönes Gewand mitnehmen, da wir am Samstag Vormittag auf einer Beerdigung sein werden. Die Mutter des netten Chef der Abteilung der ich zugeteilt war und den ich nur zweimal kurz gesehen war verstorben. Er nahm sich Urlaub und musste auf die andere Insel, von wo seine Familie stammt, um alles zu arrangieren.

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Nach dem Ablegen von der Insel Opolu waren wir in etwas mehr als einer Stunde auf der Insel Savai’i. Da wir noch Zeit hatten bis unser Bus auf die andere Seite der Insel abfuhr, konnten wir uns noch 20190201_095905den Markt und den Fischmarkt ansehen. Dort gibt Samoabananen (das Rätsel um die Banurken in einem meiner früheren Blogbeiträge ist damit geklärt), Kokosnüsse, Tabak aus Samoa – der in kleinen Häufchen verkauft wird -und jede Menge Gewand. Ich kaufe mir dort ein Tuch, das als Herrenrock getragen wird und „Lava-lava“ heißt. (Für alle die aufgepasst haben: Auf den Fidschis heißt er „Sulu“). Zwar besitze ich bereits einen, aber der ist eher elegant. Diesmal hab ich mir auf anraten einer dortigen Kollegin etwas Sportlicheres zugelegt. In jugendlichem Orange. Steht mir ausgezeichnet.

Auch der Fischmarkt hat es in sich. Groß ist er nicht, wie hier eben alles ein wenig kleiner und einfacher ist als auf Opolu. Es gibt nur ein paar Händler, die nur ein sehr begrenztes Angebot aufweisen. Auch ein Igelfisch ist dabei und der Rest schillert zum Teil in den prächtigsten Farben. Da es aber auch nur wenige Käufer gibt, bleibt die Ware gut in der Hitze liegen. Allerdings wird fleißig gewachelt um die Fliegen zu verscheuchen.

Und danach wird einer meiner Wünsche wahr. Ich hab schon in Apia die wunderhübschen, farbenprächtigen Holzautobusse bewundert. Da ich aber nicht weiß, wohin diese Busse fahren, wie lange es bis zu einer Station dauert und wann und wie ich wieder zurückkomme, habe ich es unterlassen in einen einzusteigen. Leider schallt aus diesen Bussen – im Unterschied zu jenen auf den Fidschis – keine laute Musik. Das trübt ein wenig deren exotisches Flair.

Nun heißt es einsteigen. Gott-sei-Dank habe ich meine Gopro-Filmkamera dabei. Tatsächlich ist dieser Bus aus Holz. 20190201_104152Der Fahrer scheint sehr stolz zu sein und nimmt seinen Job sehr ernst. Der Bus ruckelt und faucht und man hat den Eindruck, dass sogar der Motor aus Holz ist. Die Fahrgäste sind nicht weniger interessant. Mütter mit Babys, Schulkinder, ältere Menschen, Teenager und unsere Gruppe. Viele waren einkaufen und stopfen den Bus mit Hühnerkeulen in Plastiksäcken, Bier, Fisch (auch dieser in Plastiksäcken) und sonstigen Lebensmittel voll. Und ab geht es. Aus …. hhmm … also Stadt nicht, Ort vielleicht. Jedenfalls wird es mit der Zeit noch ländlicher. Es geht durch kleinere Siedlungen, Schweine laufen durch den Ort, Hunde auch. Teilweise wird auf beladenen Pferden geritten. Der Bus hält wo es die Fahrgäste wünschen oder Leute am Straßenrand stehen. Wer den Bus verpasst, muss mindestens ein paar Stunden auf den nächsten warten. Und aktiv warten, denn es gibt keinen Fahrplan. Besser eine halbe Stunde zu früh an der Straße sein um ihn nicht zu verpassen.

Eine Mutter mit Baby, die vor mir sitzt packt irgend etwas aus einem Papier und wirft den Abfall unbekümmert aus dem Fenster, eine alte 20190202_154027Dame schimpft beim Aussteigen mit dem Fahrer, der nicht rechtzeitig angehalten hat, wo er doch wissen müsste, dass sie immer an der gleichen Stelle aussteigt. Interessante Pflanzen, Gebäude, neugierige Kinder, …. ziehen an mir vorüber. Ich kann mich kaum stattsehen, -riechen und -hören.

So spannend die Busfahrt auch ist, so froh bin ich als wir nach eineinhalb Stunden am Ziel sind, denn mein Hintern schmerzt mittlerweile schon vom Sitzen auf der Holzbank. Wir haben ein nettes Hotel. Alles zwar ein 20190202_111734wenig abgewohnt aber noch immer schön anzusehen mit einer tollen Lage am Strand. Es gibt kaum Tourismus hier und das Hotel macht einen recht leeren Eindruck. Allerdings ist auch nicht die richtige Saison. Immer wieder kommt es zu Wolkenbrüchen und zudem ist es auch heiß. Ich bekomme eine kleine Strandvilla zugeteilt. Klimatisiert versteht sich, mit Meeresblick. Sehr hübsch, aber wie gesagt schon in die Tage gekommen.

Es gibt ein Mittagessen, dann macht sich die Gruppe auf um ein paar Baustellen zu besichtigen. Bereits auf der Fahrt hierher 20190202_112652habe ich mich gewundert warum meine Kollegen so viel fotografieren und vor allem was: nur neuere Gebäude. Man glaubt es kaum: Diese Fotos werden mit Aufnahmen aus dem Vorjahr verglichen und hierdurch die neu hinzugekommen Bauten ermittelt und bewerten um sie dem BIP zuzurechnen. Vom der Baustellenbesichtigung rät man mir ab und ich werde im Hotel allen zurückgelassen. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen entschließe ich Kajakfahren zu gehen. Packe meinen lädierten Finger in ein kleines Plastiksäckchen, schnapp mir ein Boot und paddle in Meer hinaus.

Später gab es ein gemeinsames Abendessen mit viel Bier und Poolbillard spiel. Am nächsten Morgen geht es gleich nach dem Frühstück in den Nachbarort wo die Beerdigung stattfindet. Wir kommen zu spät und es20190202_092741 werden schon fleißig Gedenkansprachen gehalten. Der Abteilungsleiter grinst als er auch mich in der Truppe sieht. Ich habe mich fein rausgeputzt. Dunkler Rock, dunkles Hemd, Sandalen und Muschelkette. Wie es sich hier für eine Beerdigung gehört. Auch die anderen Trauergäste haben sich elegant gekleidet. Alle in Weiß, wie es sich hier für eine Beerdigung gehört. Macht nichts. Die Kollegen holen einen riesigen Kranz aus dem Auto und einen rund 5 Meter langen und einen Meter breiten weißen Schleier. Wir tragen diesen Schleier ausgerollt zu fünft in die Kirche, ich soll vorangehen. Alle Augen sind auf uns gerichtet und ich hoffe, dass meine kleine Kamera, die das alles filmt, nicht auffällt. Wir gehen bis vor auf’s Podest zu dem Sarg und umhüllen diesen mit dem Schleier. Dann geht es wieder durch die Trauergemeinde und wir setzen uns.

Auch hier gibt es viel zu sehen. Besonders die älteren Damen sind einzigartig gekleidet. Ganz in Weiß mit einem weißen Hut. Dieses Outfit ist mir bereits bei meiner Fahrt vom Flughafen zum Hotel aufgefallen. Ich denke diese weiße Kleidung mit dem Hut sind typisch für Samoa. Zwar kenne20190202_094951 ich noch nicht alle Inseln dieser Region, aber weder auf Vanuatu noch auf den Fidschis habe ich das gesehen. Wie immer bin ich von den Chorgesängen, die einen Kanon aus Männer- und Frauenstimmen bilden, begeistert. Es ist heiß und fast alle haben einen Fächer in der Hand. Eine Dame auch einen aus Federn gefertigt. Die Messe dauert lang, sehr lang, so lang, dass wir nach eineinhalb Stunden wieder gehen. Der Chef bedankt sich herzlich für unser Kommen. Es geht zurück wieder ins Hotel und nach einer Erfrischung im Pool wieder zurück zum Hafen.

Nach dem Übersetzen zur anderen Insel kommen die ersten Verabschiedungen. Ich werde bei meinem Hotel abgesetzt, wo ich mich 20190202_155524vom Rest der Truppe verabschiede. Mag Vanuatu vielleicht schöner als Samoa und auch klimatisch nicht ganz so brutal sein, jedenfalls fiel mir der Abschied hier bislang am schwersten, da alle so herzlich waren. Man hofft, dass ich bald wieder komme und ringt mir ein diesbezügliches Versprechen ab. Ich checke wieder bei meinem ursprünglichen Hotel ein, verbringe dort die Nacht und mach mich gegen Mittag wieder zum Flughafen auf.  Tofa (auf Wiedersehen) Samoa.

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