Resuemee eines Jahres

Suva, Sonntag 20. Oktober 2019, 18:00 Uhr

Ich bin nun bereits seit ziemlich genau einem Jahr hier im Suedpazifik. Am Sonntag den 7. Oktober 2018 habe ich Oesterreich verlassen um mich eine Woche lang einem Briefing in Washington DC zu unterziehen. Am 15. Oktober trat ich dann hier in Suva auf den Fisdschis meine Arbeit an, wobei ich die ersten beiden Wochen in einem Hotel verbrachte.

Nach einem Jahr habe ich bereits viel erlebt und wie ihr wisst habe ich mich fuer ein weiteres Jahr hier entschieden. Alleine das ist schon ein Hinweis darauf, dass es mir gut geht und es mir hier gefaellt. Ich habe viele Laender kennen gelernt, mache intensiver, manche nur recht oberflaechlich. Viel an fuer mich neuer Natur bewundert und an lokalen Braeuchen und Festen teilgenommen. Wenn ihr in diesem Blog zurueckspult, bekommt ihr einen Ueberblick ueber die Abenteuer die ich im letzten Jahr  erlebt habe.

Ich breue kein bisschen diesen Schritt gemacht zu haben. Selbst wenn es weniger schoen gewesen waere, war es ein notwendiger Schritt einmal Oesterreich und meine dortige Arbeit zu verlassen. Nach so vielen Jahren am gleichen Platz und wo sich nun diese Moeglichkeit ergeben hatte gab es gar keine andere Wahl fuer mich.

Die Arbeit hier ist zwar nicht weniger als bei meinem frueheren Arbeitgeber und der Inhalt ist leider oft nicht so anspruchvoll wie in der Wirtschaftsforschung, aber sie wird hier sehr geschaetzt. Von allen Seiten kommen sehr positive Rueckmeldung und das macht auch zufrieden.

Die Anfragen von Freunden und Verwandten, ob ich nicht Heimweh habe, kamen nur in den ersten Paar Monaten meiner Abwesenheit. Seither fragt niemand mehr. Aber ab und zu habe ich Heimweh. Vor allem Fehlen mir meine Freunde, Familie und die Jahreszeiten. Die Supermaerkte sind hier teurer als bei uns, und Fleisch-, Wurst- und Kaeseprodute koennen nicht an Vielfalt und Qualitaet in Oesterreich heranreichen. Sonst gibt es aber alles wie bei uns.

Was mir gefaellt ist, dass es hier zwei Kulturen gibt, die voellig von einander getrennt sind. So kann man beides erleben und geniessen. Die Inder leben hier schon seit ueber 200 Jahren aber es gab noch keinerlei Integration. Fidischi wie auch Indien waren beide einmal britische Kolonien, sodass beide Volksgruppen eine gleiche Sprache sprechen, die es nicht erforderlich macht, dass Inder Fidischi lernen oder umgekehrt. Man sieht eigentlich auch keine Mischbeziehungen. Beide Gruppen scheinen voellig unter sich zu bleiben. Die Inder feiern nicht Weihnachten und die Fidischis nicht Divali (was mich ein wenig wundert, denn Feste werden gerne und schnell uebernommen, wie man in Oesterreich bei Halloween, Thanksgiving und St. Patricks Day sieht). Aehnlich verhaelt es sich mit der kleinen chinesischen Gemeinde. Man treibt Geschaefte miteinander aber bleibt privat vollkommen unter sich. Sehr interessant.

War wieder bei meiner indischen Familie auf Besuch, alles wird schon fuer das Lichterfest Divali – die hoechste Feier der Inder hier – vorbereitet20191020_181736[1]. Leider fliege ich an diesem Tag nach Vanuatu und kann der Einladung nicht folgen. Habe mir aber alles erklaeren lassen. Klingt aber eh nicht so wahnsinnig toll wie ich mir das vorgestellt habe. Keine grosse Feier. Ein Gebet am Nachmittag, ein paar typische Suessigkeiten, wie an allen indischen Feiertagen kein Fleisch und kein Alkohol. Es treffen sich nicht einmal die Grossfamilien. Alle bleiben zuhause um die einen Brand durch die Kerzen zu verhindern. Eigentlich sind es keine Wachskerezen die am eigentlichen Divalitag entflammt warden. Es 20191020_183006[1]muessen Oellichter mit Docht in einer kleinen Tonschale sein. Davon werden aber sehr viele aufgestellt. Sind Kinder daheim, geht man auch noch ins Freie um ein Feuerwerk zu veranstalten. That’s it. Schon jetzt funkeln aber viele bunte Lichter wie bei uns vor Weihnachten. Ach ja, es werden typischerweise auf neue Kleider, Teppiche und Vorhaenge angeschafft und ein Divalihausputz – wie bei uns zu Ostern – durchgefuehrt.

Ich hatte bei meinem Besuch Glueck denn wir besuchten in einem anderen „Haus“ in der schrebergartenaehnlichen Anlage, in dem der Onkel meines Freundes seinen Geburtstag feierte. Er ist schon sehr betagt und hatte einen Schlaganfall20191020_183435[1] hinter sich. Aber er laechelte mich staendig freundlich an. Ich bekam auch ein Stueck von der Geburtstagstorte. Die Damen in dem Haus fragten mich ordentlich aus. Dann ging es wieder zurueck ins Haus „meiner“ Familie und dort ging es richtig idyllisch zu. Die Dame des Hauses naehte die neune Vorhaenge, der Fernseher lief, es wurde gescherzt und geneckt und Kava getrunken.

Im kommenden Jahr stehen auf meinem Reiseplan einige neue Laender wie Tonga, die Salomon Inseln, Mikronesien, Niue und Palau. 20191020_200003[1]Darauf freue ich mich schon sehr. Ich denke aber, dass ich nicht um ein weiteres Jahr verlaengern werde. Das heisst aber nicht unbedingt, dass ich dann schon nach Hause komme. Mal sehen. Morgen starte ich jedenfalls meine Trekkingtour durchs Landesinnere in die Highlands. Schlafen in einer Art Schlafsaalhuette, nur kalte Dusche, Flussdurchquerungen, …  ich werde euch berichten, gehe jetzt aber schlafen.

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