Diwali

Suva, Donnerstag 8. November 2018, 21:45 Uhr EAT

Wie versprochen berichte ich heute über das indische Lichterfest Diwali. Vorab aber noch zwei Dinge. Ganz am Anfang eines Blogbeitrags schreibe ich immer Ort, Datum und Uhrzeit. EAT neben der Uhrzeit heißt Eastern Australien Time. Diese gilt auf den Fidschis. Je nach Jahreszeit sind das 10 bis 12 Stunden Unterschied zur MET (Middle European Time). Ich berichte deshalb darüber, da es hier in Zukunft große Unterschiede geben kann. So bin ich ab Sonntag für zwei Wochen lang auf Vanuatu. Dann steht dort, da ich in der Hauptstadt bin: Port Vila. Nächstes Jahr werde ich dann mehr reisen. Und auch die Datumsgrenze überschreiten. Das neue Jahr wie auch ein neuer Tag (also neues Datum) tauchen hier als einer der ersten Plätze auf der Welt auf. Deswegen ist es hier immer später als in Thailand,  Europa und insbesondere den USA. Wenn ich nächstes Jahr aber noch weiter gegen Osten nach Niue oder zu den Cook Inseln fliege, überschreite ich diese Grenze und es ist plötzlich immer früher als sonst wo. Dort klingt dann das Datum eines Tages aus. Wenn ich am 1.1. um 0:30 Uhr dort hin fliege ist, es dort 1:30 Uhr aber am 31.12. Oder wenn ich von den Fidschis nach Los Angeles um 20 Uhr fliege, komme ich dort am gleichen Tag um 8 Uhr in der früh an. Cool, nicht.

Das Zweite ist das Auto fahren, von dem ich euch gestern berichtet habe. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass das Gefinkelte daran ist, dass man nicht nur auf der anderen Straßenseite fährt und im Auto auf der anderen Seite sitzt sondern auch die beiden Hebel für Blinker und Scheibenwischer vertauscht sind. Daher sieht man mich oft ohne Abbiegezeichen aber dafür mit eingeschalteten Scheibenwischern um die Ecke fahren. Ich bin so froh, dass nicht auch die Pedale vertauscht sind. Das wäre wirklich der reine Wahnsinn, da man die Füße noch intuitiver bewegt, glaub ich zumindest.

So nun aber zu Diwali. Als es begann dunkel zu werden und die Explosionsgeräusche der Feuerwerkskörper lauter und häufiger wurden, 20181103_105149duschte ich schnell noch und beschloss dann zu Fuß in die Stadt zu gehen. Man weiß ja nicht wie feuchtfröhlich dieses unbekannte Diwali abgeht und dann fahre ich lieber mit dem Taxi heim. Ist ja auch nicht soo weit. So 15 bis 20 Minuten und man sieht immer Interessantes am Weg. Ob schockierend prekäre Wohnverhältnisse oder sonst was. Es wird immer dunkler, es wird immer ruhiger. Die Straßen komplett leer. Keine ausgelassene Feierstimmung. Habe mich eher wie zu Halloween gefühlt, so ausgestorben war es. Als ich dem Stadtzentrum näher kam, wurde es heller und ein wenig mehr Leute. Aber weit und breit kein Diwali-Trubel. Kein Lichterfest. Die Beleuchtung eigentlich so wie in den Tagen vorher. Da ich nicht alles absuchen wollte, bis ich die Feiergesellschaft aufgespürt habe, habe ich jemanden gefragt „Where takes the Diwali festival place?“. Er wusste nicht genau was ich meinte. „In which streeg is the Diwali celebration?“. Schmunzelnd klärte er mich auf, dass Diwali ein Familienfest sei. Da gibt’s keine Party auf der Straße. „And what do they do at home?“. „They eat sweets“. „What? Thats all?“ „Yes“. Also ein abgespeckteres Weihnachtsfest.

Na super! Die einzige Chance im kommenden Jahr an Diwali teilzunehmen ist eine hübsche Inderin kennenzulernen, schießt mir durch den Kopf. Aber selbst dann weiß ich nicht ob ich mitfeiern dürfte. Ok, dann bin ich wohl umsonst hierher gekommen und kann jetzt eigentlich wieder heimgehen. 😦

Naja, wenn ich schon mal da bin, schau ich mir ein wenig die Plätze an, die ich noch nicht kenne. Richtig Neues entdecken. Sehr spannend. 20181107_200535Das mag ich. Zuerst war ich beim Hafen. Dort waren schon mehr Leute zu sehen. Und auch das Kreuzfahrtschiff „Bremen“. Gleich daneben ist der Markt. Natürlich um diese Zeit schon geschlossen, aber die Nachwehen sieht man an den Menschen die außerhalb des Zaunes noch Geschäfte abschließen. Da bin ich dabei und möchte mir frisches Obst oder Gemüse kaufen. Es ist eine Ananas geworden. Der Händler wollte mir 5 zum Preis von 3 anbieten. Als ich ihn erklärte, dass ich allein sein und dass das hieße, dass ich mich die kommende Woche ausschließlich von Ananas ernähren müsste, gab er auf.

Exkurs: So, jetzt ist es zum ersten Mal passiert. Ich wusste, dass es irgendwann mal dazu kommen wird: Ich habe das erste mal statt aufs „z“ aufs „y“ gedrückt. Soll heißen, dass ich mich an die englische Tastatur meines Dienstcomputers gewöhnt habe und nun bei der deutschen Tastatur Fehler mache. Das wird was werden mit dem Tippen und Autofahren  wenn ich wieder zuhause bin.

Dann gleich daneben der Busbahnhof. Und da war das volle Leben. Pendler die nach Hause wollen,

 

ältere Frauen, Männer, Kinder die ein Abendessen im Bus oder davor verzehren. Tolle Busse (alle ohne Fenster dafür dröhnt aber laute Reggaemusik nach draussen). Einfach voll das Leben. Habe versucht mich irgendwo unauffällig hinzustellen und zu beobachten. Gar nicht so leicht mit meiner hellen Haut nicht aufzufallen. Aber in 20181107_201329den Schatten und wenig bewegen. Wie sind die Gesichter der Leute? Müde? Habe gehört dass einige aus Nadi den ersten Bus um drei Uhr in der Früh nehmen der nach vier Stunden hier in Suva eintrifft. Dann arbeiten und wieder vier Stunden nach Hause. Wieviel oder wie wenig man hier bei einem Job wohl verdient? Nach unserm Standard zahlt sich das gar nicht aus. Aber wenn man Kinder oder Eltern ernähren muss, bleibt einem wohl nichts anderes übrig. Kein gutes Leben jedenfalls. Aber so geht es wahrscheinlich vielen. Daher nimmt man es wahrscheinlich nicht zu tragisch. Ich würde gerne mit dem Bus mitfahren. Irgendwo mit den Leuten aussteigen. Zu ihnen nach Hause gehen um zu sehen wie sie wohnen, was sie essen, wie und wo sie schlafen (Habe im Fernsehen gesehen, dass einige Dörfer noch gar nicht ans Stromnetz angeschlossen sind – hier hilft man sich oft mit Autobatterien). Alles sehr spannend. Ich würde gerne ganz eintauchen um alles kennen zu lernen. Dazu müsste ich aber dünklere Hautfarbe haben.

Schließlich mache ich mich sinnierend auf dem Heimweg und sauge noch ein paar 20181107_202134Bilder auf. Das Marktamt sieht sowas von karibisch-kollonial aus. Ich mag diesen Meeresstil. Weiß und blau. Das kommt auch in Griechenland sehr gut an. Und plötzlich …. auf dem Nachhauseweg …. da ist es …. Diwali. Kinder haben den kompletten Eingangsbereich eines Frisörladens und die Stiege ins Innere mit kleinen Öllampen dekoriert. Original Diwali. Diese warme Licht, sehr gemütlich. Ich bleibe stehen. Ein kleines Mädchen zieht sich schnell ins Innere zurück. Ach wie gern wäre ich unsichtbar. Ich würde hineingehen ins Haus. Niemand würde auf mich reagieren. Ich würde erleben wie Diwali gefeiert wird.

Darüber froh, dass ich dies sehen durfte ging ich weiter und etwas außerhalb des Zentrums kamen die Inder aus ihren Häusern. Eltern, Großeltern, Kinder. Und zündeten Feuerwerk an. Kein gemütliches Öllampenlicht mehr aber Neon- und LED-Licht. Ich gehe in einen Innenhof. Kinder laufen mit Sprühkerzen herum und zeichnen damit Muster in die Luft.20181107_203401

Zufrieden gehe ich weiter. Da ich Hunger habe, trete ich in das nächstgelegene Lokal. Ein koreanisches. Koreanisch habe ich überhaupt noch nie gegessen. Wieder was Neues. War doch noch ein toller Tag.  🙂

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