Winterurlaub

Suva, Dienstag, 8. Januar 2018, 15:15 Uhr, SUT

So, da bin ich nun wieder. Bin gerade dem heimatlichen Schneechaos noch entronnen. Glück gehabt und in Sicherheit.  Hier auf meiner Insel Viti Levu wurden gestern über 300 Personen vor dem tropischen Wirbelsturm „Mona“ in Sicherheit gebracht. Auch nicht schlecht. Ich hoffe ihr erwartet mit Spannung wie es nun weitergeht. Bevor ich dem nachkomme gibt es diesmal einen Bericht über meinen Weihnachtsurlaub.

Es war herrlich. Zuerst musste ich aber noch im Taxi zittern. Wir hatten einen mächtigen Stau, der aber laut Taxifahrer tagesüblich ich. Ich kannte bisher nur die 20 Minuten Fahrzeit. Natürlich hab ich einen Puffer einkalkuliert. Habe mir zu Hause noch Zeit gelassen, da ich eh das Doppelte an Zeit für die Fahrt zum Flughafen eingerechnet habe. Selbst wenn ich das Dreifache brauchen sollte komme ich noch nicht ins Schwitzen. Aber es wurde das vier- bis fünffache. Und ich schwitzte.

Der Taxifahrer merkte meine Nervosität und versuchte mich zu beruhigen. Bei Inlandsflügen dürfe20181218_193917 man noch 30 Minuten vor der Startzeit einsteigen. Er hat leicht reden. Schaff ich den ersten Flug nicht, sind auch alle weiteren gestorben. Zu einem späteren Zeitpunkt geht es auch nicht, da alle Flüge vor Weihnachten ausgebucht sind. Vom finanziellen Verlust mal abgesehen. Schaffe ich also diesen Flug nicht, gibt es kein Weihnachten in der Heimat. Mir war sehr unwohl. Erst als mein Flugzeug für den ersten Flug (30 Minuten) abhob, war ich ruhiger. Ich flog über die grüne Insel und wusste, dass ich bald mit Familie und Freunden in den verschneiten Bergen Weihnachten feiern werde. Sofort kam mir „Driving home for Christmas“ von Chris Rea in den Sinn. Ich war schnell wieder fröhlich entspannt.

Schnell in Nadi in den nächsten Jet umsteigen. Nadi nach LA, 8880 Kilometer, 10 Stunden und 45 Minuten Flugzeit, Start: Dienstag 18. Dezember um 21 Uhr, Ankunft in LA am gleichen Tag um 10:45 am Vormittag. Zeit gewonnen. Im Flugzeug habe ich fast nur geschlafen. Bestimmt 6 Stunden. Schließlich ist es nach Fidschizeit ja Nacht. In LA dann 5 Stunden Zwischenstopp. Rein in den nächsten Jet nach London. Wieder über 10 Stunden. Ich war nicht mehr müde. Habe mir Weihnachtsfilme angesehen um mich einzustimmen. Und mit den Leuten geplaudert. Mein Sitznachbar – ein Perser der in Australien wohnt – besuchte Sohn und Frau in Deutschland. (Ich scheine nicht der einzig mit einer seltsamen Familienkonstellation zu sein). Auf der anderen Seite ein älteres Paar, dass zu einer Schiffskreuzfahrt nach Singapur fliegt. Moment mal! Wäre es da nicht kürzer in die andere Richtung zu fliegen? „Ja, eigentlich schon“ bekomme ich als Antwort, „nur leider waren um diese Zeit kein passenden Flüge mehr verfügbar“. Wow, welche über 60jährigen fliegen in den Weihnachtsurlaub um die 3/4 Welt? Mir soll es Recht sein. Ich bestelle mir noch ein Bier und freue mich schon auf zu Hause. Auch wenn mich mein Po vom vielen Sitzen langsam zu schmerzen beginnt.

Endlich London. Heimat Europa. Oder gehört Großbritannien bald nicht mehr dazu? Egal. Für meine Verhältnisse fühle ich mich Österreich sehr nahe. Zwischenstopp 3 Stunden und nur mehr 2 1/2 Stunden und ich bin in Wien. Freude und Nervosität kommen auf. Verständlich, niemand kann weiter weg wohnen als ich.  Beim Abflug ist es 14 Uhr. In Fidschi sollte es da 3 Uhr morgens sein. Ich bin wieder entsetzlich müde und schlafe fast den ganzen Flug. Komme gut in Wien an. Es ist 17 Uhr und dunkel. Es riecht nach Wien (Glühwein?). Ich schreibe sofort ein paar Nachrichten an meine Lieben, dass ich gut angekommen bin. Hinein ins Taxi und – ich kann kaum mehr sitzen so schmerzt mich mein Hintern – ab geht es nach Hause. Der Schlüssel passt in die Tür, die Wohnung sieht so aus wie ich sie verlassen habe. Ich bin eigenartiger Weise schon wieder müde und schaffe einen normalen Schlaf von Mitternacht bis acht Uhr morgens. Als ich aufwache schneit es vor meinem Fenster. Ich muss in meinem früheren Leben viel Gutes getan haben, dass mich die Götter so lieben. Wohl ein wenig anders als in meinem jetzigen Leben.

Kurz kommt Stress auf. Noch eine Nacht hier in Wien und dann geht es in die Berge. Auspacken, wieder einpacken, Mutter besuchen, ein paar Einkäufe erledigen. Dann nochzur Weihnachtsfeier meiner Firma. Schliesslich fuehle ich mich immer noch sehr verbunden mit diesem Verein. Mein ueberraschendes Kommen sorgt fuer Freude. Ein wenig essen, plaudern und trinken mit den Kolleginnen und Kollegen und dann muss ich schon wieder eilen. Ich treffe mich mit meiner lieben Tochter, die mich schon sehnsüchtig erwartet, und unbedingt wie jedes Jahr auch diesmal wieder auf einen Weihnachtsmarkt gehen moechte. Ich darf aussuchen, ich waehle den Rathausplatz. Gleich Markt der Maerkte, den großen, den richtigen. Der erster Punsch. Ekelig wie immer. Herrlich! Ähnlich wie Kava. Aber doch ganz anders. Ich komme schnell in Weihnachtsstimmung. Der Kauf von ein paar kitschigen Weihnachtsservietten für meine Hütte in den Bergen beschleunigt meine Aklimatisierung. Die anschließende Nacht ist wieder harmonisch. Kein jet lag. Noch nicht, jedenfalls.

Am frühen Nachmittag starte ich los. Über die längere, aber schönere Strecke über die Südautobahn noch Oberösterreich. Das ist es mir wert. Gleich nach dem Semmering herrscht Winterzauber. Ich sitze alleine im Auto und genieße die schöne Winterlandschaft, höre mir dann auch noch „Driving home for Christmas“ an. Ich bin ganz einfach glücklich. Auch wegen der Vorfreude auf die kommenden Tage. Um das Glück noch bis ins Unerträgliche zu steigern kaufe ich mir bei der nächsten Raststationen zwei Käseleberkässemmeln. Mit diesen 2000 Kalorien erspare ich mir dann auch gleich die Einkäufe für das Abendessen. Sie schmecken herrlich. So was gibt’s auf den Fidschis nicht. Allein schon die Übersetzung des Namens wäre unmöglich.

Ich komme in Windischgarsten an. Es ist schon wieder dunkel (was ist bloß mit diesem Land los?). Meine Sachen werfe ich 20181221_171030schnell in die Hütte (eher ein Chalet) und mache mich auf den Weg einen Weihnachtsbaum zu besorgen. Wie jedes Jahr gleich nach der Ankunft. Diesmal schaff ich es aber nicht. Der Baumarkt hat nichts Passendes und Bellaflora wirft mich wieder raus, weil sie schon schließen wollen. Ob ich angesichts dieser Ungewissheit gut schlafen werde können? Ich genieße jedenfalls das Alleinsein im Blockhaus. Das hilft mir beim Eingewöhnen, 20190102_091331beim „Runterkommen“ nach dem Reisstress. Alles aus Holz, Bergluft, Ofenfeuer. Ich lege Holzscheite in den Kachelofen, und starre ins Feuer. Wie das lodert. Wie das beruhigt.

Am nächsten Tag kommen sie. Die Familie. Mit ihren Autos, Koffern, …. Schnell ist die Hütte voll. Es herrscht Trubel. Weihnachtstrubel. 20190102_094018Schön! Der Baum wird aufgeputzt (diesmal auf Wunsch früher als sonst). Spazieren im Schnee, gut Essen, viel Trinken, in die Kindermette gehen, plaudern, lesen, entspannen. Würde das Ganze am liebsten gleich wieder durchleben. „Hab ich es eh ausführlich bewusst genossen?“, fährt es mir jetzt durch den Kopf. Nach ein paar Nächten reist die Familie wieder ab und der nächste Besuch kommt. Wieder das Gleiche: Essen, trinken, plaudern. Ich merke wie ich zunehme. Das Leben ist wunderschön.

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Um Silvester kommt die nächste Partie. Und es geht weiter. Es schneit fast täglich. Das verlockt zum Spazierengehen. Nach der Völlerei wichtig. Um wieder Hunger zu bekommen. Wie immer vergehen diese Tage zu schnell. Bald bin ich wieder in Wien. Erledige die letzten Besuche, Wäsche waschen, ein paar Einkäufe, wieder Koffer auspacken und einpacken. Als Abschiedsgeschenk bekomm ich nochmal eine ordentliche Portion Schnee. Auch Wien kann das.

Ich habe trotzdem keine Wehmut das Land zu verlassen. Die Freude auf Fidschi ist auch nicht mächtig. Aber eine leichte Präferenz für die Fidschis gibt es schon. Meine neue Heimat.

Und ab geht es wieder. Diesmal um die andere Seite der Welt herum. Ist eh egal, da die Fidschis ziemlich genau auf der anderen Seite der Welt liegen, macht es kaum einen Unterschied in welche Richtung man fliegt. Weiter weg von Österreich kann man kaum wohnen. Wieder etwas über 24 Stunden Flugzeit. Aber kürzere Zwischenstopps. Abflug von Wien am Freitag um 22:45 Uhr, dann über Neu Delhi und Sydney nach Nadi und noch weiter nach Suva, wo ich am Sonntag um 21 Uhr eintreffe. Auspacken und ich schlafe wieder die ganze Nacht. Ich freu mich schon jetzt auf das nächste Weihnachten.

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