Möwen und Plastiksackerl

Suva, 19. Jänner 2019, 18:45

Meine Koffer sind gepackt und morgen in der Früh geht es ab nach Samoa. Wie versprochen schreibe ich euch zuvor noch einen blog von den Fidschis.

Es ist euch sicherlich schon passiert, dass ein Haus in eurer Umgebung, das jahrzehntelang dort stand, abgerissen wird und ihr könnt euch schon den nächsten Tag nicht mehr erinnern, was dort eigentlich stand. Ähnlich ist es oft mit neuen Eindrücken. Erst mit der Zeit fallen einem einige Besonderheiten hier auf. Während ich als Motorradfahrer schon schnell bemerkte, dass im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Ländern (zumindest die auf dem Festland) Zweiräder keine Rolle spielen, fiel mir erst vor ein paar Tagen auf, dass es hier keine Möwen gibt. Gar keine. Und auch keine anderen Wasservögel wie Pelikane oder so. Nichts. Eigenartig, wo es doch sogar in Wien in Schönbrunn welche gibt. Sie sind eigentlich hübsch anzusehen, allerdings kreischen sie schon in der Früh sehr laut, sodass ich eigentlich froh bin hier keine anzutreffen. Dafür sind abends viele große Fledermäuse zu sehen. So genannte Flughunde. Allerding saugen sie kein Blut sondern fressen Früchte.

Wie ich euch bereits vor einiger Zeit berichtet habe, hat Vanuatu bereits Plastiksackerl im Supermarkt verboten. Hier auf den Fidschis ist alles aber noch doppelt und dreifach in Kunststoff verpackt, auch das hab ich euch schon erzählt. Ich, als Angestellter einer internationalen Organisation, bin natürlich fast verpflichtet mit gutem Beispiel voranzugehen (schließlich empfehlen das alle Hilfsorganisationen hier – auch Schmiergelder dürfte ich natürlich aus dem gleichen Grund nicht bezahlen) und habe deshalb zwei Einkaufstaschen in meinem hybridgetriebenen Auto. Immer wenn ich an der Kassa zahle, werde ich gefragt, ob ich Plastiksackerl brauche. Stolz verneine ich und in manchen Gesichtern der Verkäuferinnen glaube ich sogar etwas wie Freude oder zumindest Anerkennung hierfür zu erkennen. Heute habe ich zum ersten mal die Kehrseite meines Tuns erlebt.

Seit Wochen stehen auf  meiner Einkaufsliste Müllsäcke für meinen Mülleimer. Ich habe schon in einem Supermarkt gesucht, aber dort hatten sie nur sehr große schwarze und nicht die kleineren. Heute habe ich es wieder in einem anderen Supermarkt probiert. Als ich wieder nicht fündig wurde und eine Verkäuferin danach fragte, hat sie mich verständnislos angesehen und mich aufgeklärt, dass solche Säcke niemand kaufen würde.  Denn …….. es gibt sie ja gratis an der Kassa. So macht sie es auch und sie empfiehlt mir das gleiche zu tun. Ich muss gestehen, dass das ein schlagendes Argument war und für mich als Ökonom mehr als einleuchtend war.

Beim bezahlen an der Kasse sah die Verkäuferin meine Einkaufstaschen und wollte mir zuerst anerkennend kein Säckchen anbieten. Dann habe ich danach gefragt und eines bekommen, und schon war es wieder mit der Vorbildwirkung dahin. Ich hätte ja welche gekauft, wenn es sie gegeben hätte … auch wenn es wirtschaftlich gesehen dumm ist etwas zu kaufen was es auch gratis am gleichen Ort gibt. UND, schon habe ich wieder etwas hier dazu gelernt. Ich werde wieder richtig weise zurückkehren.

Dann noch ein paar Impressionen. Ein Foto vom Diabetikerhilfszentrum. Ziemlich hüttenmäßig dafür, dass die Fidschis die höchste Rate an Diabetes erkrankten der Welt hat. Dann ein Foto vom Gefängnis.

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Ich habe letztes Wochenende wieder einmal nichts unternommen. Zwar musste ich eh arbeiten aber zur Zeit kann man hier nichts unternehmen. Es ist zu schwül und heiß, oder es regnet, oder beides. Bin in den königlichen Yachthafen von Suva gefahren um dort am Computer zu arbeiten. Zuhause habe ich zu sehr das Gefühl etwas zu

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versäumen. War sehr überrascht als mir die Google-Navigation mitteilte, dass dieser nur 4 Minuten von mir entfernt liegt. Gleich dort ist auch das Gefängnis, dass ihr auf dem Foto sehen könnt. Ich habe mich dort auf der Veranda in den Schatten gesetzt und losgetippt und losgeschwitzt. Klimaanlage haben die dort auch im Inneren nicht.

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20190113_134601Schweißgebadet bin ich nach einem Kaffee und einem Bier wieder nach Hause gefahren. Das war mein Sonntagsausflug. Mehr war nicht drin. Und an diesem Tag war ich schon laufen. In der Mittagshitze. In der Früh war ich noch nicht auf und auf den Abend war ist riskant, weil es dann wieder schüttet. So nämlich (Blick aus dem Fitnessstudio).

 

Außerdem liebe ich ärmlich bunte Bauwerke in Form von Bretterbuden. Das rosa Häuschen ist .… ihr werdet es nicht glauben …. eine Sargtischlerei. Nach dem fotografieren habe ich hineingesehen. Am Nachmittag bin ich nochmals vorbeigefahren und da stand ein strahlend weißer Sarg in der Tür. Was für ein Foto. Rosa Haus, blauer Briefkasten, blauer Himmel, weißer Sarg. Hab versucht mich ziemlich schnell

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einzuparken. Hat aber dann doch zu lange gedauert. Bis ich wieder dort für ein weiteres Foto war, war die Türe schon wieder geschlossen. Aber ich werde es wieder einmal probieren. Ich habe auch schon gesehen wie sie einen fertigen Sarg raus getragen haben. Über die Straße vor dem rosa Häuschen. Auch das wäre ein tolles Foto. Hab schon daran gedacht das Foto stellen zu lassen. 20190117_084057Ich glaub für ein wenig Trinkgeld geht das. Ein anderes Häuschen, nicht weit weg vom ersten, verspricht Süßes. Leider ist es immer geschlossen. Aber optisch auch super.

Und in der gleichen Straße gibt es auch dieses Geschäft. Eigentlich gibt es hier in Suva viele solcher Läden. Warum die so vergittert sind ist mir schleierhaft. Soviel Geld gibt es dort ja nicht zu rauben. Aber vielleicht reicht dieses Bisschen hier schon für einen Überfall. Jeden falls hat dieser Schulbub um – ich glaub 10 Cent – eine Art Wassereis gekauft. Das wird er sicherlich gleich verspeisen, denn bis in die Schule hält das nicht.

Ich habe mir vorgenommen, mir einmal an einem Arbeitstag einen Tag frei zu nehmen und alles noch genauer zu beobachten. Oder einmal ins Spital zu gehen. Dort wird doch eh niemand gefragt was man da macht. Ich könnte mir meine Kamera unauffällig an mein Hemd clippen …..

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Bis bald in Samoa

 

 

 

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