Blackrock Military Camp / Nadi, Fiji

Nadi, Donnerstag 21. März 2019, 22:00 Uhr

Meine nächste Auslandsreise geht nach Papua Neuguinea (kurz PNG genannt). Laut UNO ist dieses Land die einzige High Risk Location der von mir zu bereisenden Länder. Um eine Reisegenehmigung für ein solches Land IMG_E0115zu erhalten, braucht man ein spezielles Sicherheitstraining. Dies besteht aus einem online Kurs und einem dreitägigen Trainingslager. Da vor meiner Mission in Port Moresby, der Hauptstadt von PNG, eine dreitägige Konferenz dort stattfindet nimmt fast unsere ganze Belegschaft an diesem Kurs teil. Inklusive meines Chefs und der IWF-Botschafterin für den südpazifischen Inselraum. Geschlafen wird aber in einem netten Hotel und nicht im Camp. So weit kommt es noch nicht.

Am ersten Tag geht es um Straßenverkehrssicherheit und damit ist nicht die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung gemeint. Wieviel Abstand ist beim Fahren im Konvoi zum vorderen Fahrzeug einzuhalten? Was macht man, wenn eine Menschenmenge das Fahrzeug umzingelt? Wie verhält man sich bei offiziellen und illegalen Checkpoints (in jedem Fall sind diese Leute natürlich bewaffnet)? Was macht man, wenn man jemanden überfahren hat? (Antwort: Weiterfahren und per Telefon Hilfe anfordern. Auf keinen Fall stehen bleiben). Was macht man, wenn Eier auf die Windschutzscheibe geworfen werden? Diese dienen dazu das Fahrzeug zu stoppen was besonders gut funktioniert, wenn der oder die Ahnungslose am Steuer die Scheibenwischer einschaltet. Denn dann sieht man angeblich gar nichts mehr. Und weitere so nützliche Tricks.

Wir bekommen Videos von echten UNO-Einsätzen gezeigt, wo das vordere Auto in die Luft fliegt. Wir sitzen im hinteren Wagen und von der Seite wird Feuer auf uns eröffnet. Wir sollen diskutieren wie wir uns verhalten.  Hmmm …. bislang habe ich mir immer gedacht, dass die das mit dem Sicherheitskurs für PNG übertreiben …. sollte ich mich geirrt haben? Worauf werde ich hier eigentlich vorbereitet? Ich fahr doch nicht nach Bagdad oder nach Somalia. Danach folgt ein erste Hilfekurs. Weniger auf Verkehrsunfälle ausgelegt, sondern wie man Druckverbände anlegt und die Blutzufuhr unterbindet. In mir kommen weitere Zweifel auf.

Am nächsten Tag werden uns typische Waffen vorgestellt die von Kriminellen und Terroristen eingesetzt werden. Halbautomatische Gewehre, Pistolen, etc. Ich mache darauf aufmerksam, dass die gezeigte Glock aus Österreich stammt. Immerhin etwas. Dann werden uns die unterschiedlichsten Landminen präsentiert und wie man sich in einem verminten Gebiet verhält. Danach folgt etwas Realitätsnäheres. Wir lernen den Umgang mit einer Löschdecke und unterschiedlichen Feuerlöschern. Auch das ist ein wesentlicher Teil von Sicherheit. Dann der Umgang mit Funkgeräten. Das Funkalphabet etc.

Am Nachmittag folgen dann Videos von active shooters also so etwas wie in Christchurch passiert ist. Wir bekommen das Video des Massakers im der Westgate Shopping Mall von Nairobi im Jahr 2013 (findet ihr im Internet auf Google) gezeigt. Wie, wann und wohin flüchten, wie sich verstecken, usw. Inkl. wie posttraumatische Erlebnisse verarbeitet werden.

Dann geht es gleich weiter zur Geiselnahmen. Welche Arten, welche Motive. Es werden Beispiele gebracht. Und auch gleichIMG_0117 Videos von bei internationalen Hilfsorganisationen angestellten Opfern. Da waren Leute über Monate in Dunkelhaft oder über ein Jahr lang entführt. Dann noch ein Vortrag über Stressbewältigung. Das braucht man dann.

Am letzten Tag ging es überhaupt rund. Wir fuhren in einem Konvoi mit einem Auftrag über das Campgelände. Eine Straßensperre die von Terroristen (die von angehörigen der Fidschianischen Armee gestellt wurden) taucht vor uns auf. Wir werden von vermummten Gestalten mit echten (aber hoffentlich ungeladenen) Gewehren bedroht, müssen aussteigen, werden angebrüllt, müssen uns in der Hitze hinknien und unsere Taschen ausleeren uns rechtfertigen von wo wir kommen und wohin wir wollen. Man will eigentlich nur Geld und Schmuck von uns. Gott-sei-Dank haben wir am Tag zuvor Spielgeld erhalten. Das ist verschmerzbar.

Danach gleich der nächste Auftrag. Wieder Konvoi. Eine verletzte Person liegt ab Boden und daneben kniet jemand. Wir geben Vollgas und rauschen vorbei. Sind aber so nett uns setzten ein Notruf mit unserem Funkgerät ab. Hilft aber nur wenig, denn vor uns stürmen Angreifer mit Gewehren im Anschlag aus dem Gebüsch und der ganze Zirkus geht von Neuem los.

Dann ein Mittagspause. Wir sind in einer Baracke und nehmen unser karges Mittagessen ein. Es ist brütend heiß. Plötzlich sind Schüsse zu hören. Ein Verletzter stürmt in unsere Baracke. Wir verbarrikadieren uns, setzen Notrufe ab, verbinden den Verletzten und warten bis das ganze vorüber ist.

Dann sagt man uns, dass für heute der Tag vorüber sei. Wir sind froh und sammeln uns bei der Abfahrtplattform. Und schon

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Die Bösen

wieder beginnt der Zirkus. Schüsse und wir werden gefangen genommen. Wir müssen und auf den Boden legen. Unser Hab und Gut wird uns abgenommen. Wir Männer werden in ein Gebäude abgeführt. Uns werden die Augen verbunden und wir müssen uns in einem Raum niedersetzen. Kopf nach unten, sprechen verboten. Irgendwann tippt mir einer auf die Schulter. Er befielt mir aufzustehen. Er führt mich in einen abgeschiedenen Raum ich muss mich mit verbundenen Augen hinknien. Und warten … mir tun die Knie schon weh. Endlich kommt der Befreiungstrupp. Wir dürfen die Augenbinden abnehmen, müssen aber mit erhoben Händen folgen.

Das scheint es nun dann wirklich gewesen zu sein. Das Militär wird für seine Dienste und Unterstützung geehrt. Es gibt Gemeinschaftsfotos und Danksagungen, Urkunden und Medaillen. Für die Armeeangehörigen

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Die Guten

natürlich, nicht für uns. Wir bekommen in der Baracke noch Tee und Kuchen und fahren wieder zum Hotel zurück. Nach einem Bier und einer Dusche fahre ich zum Flughafen. Der Chef gibt mir für meinen Auslandseinsatz noch ein Satellitentelefon mit, das angeblich nützlich sein soll. Sieht zwar wie ein altes Nokia mit großer Außenantenne aus, funktioniert aber tatsächlich. Vielleicht kann ich es ja mal bei einem Tauchgang weit draußen am Meer verwenden. 🙂20190319_075847

Und das war’s schon wieder für heute. Hoffe, dass es wieder interessant für euch war. Bin schon wieder zu hause. Habe ausgepackt und packe bald wieder ein. Am Sonntagabend geht’s auf nach PNG.

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