Magisches Papua Neuguinea

Suva, Samstag 20. April 2019, 21:00 Uhr

Nun bin ich bereits seit einer Woche wieder zurück auf den Fidschis, aber ich fühle mich noch schuldig euch ein paar Nachträge zu Papua Neuguinea zu liefern.

Vielleicht habt ihr ja bereits aus meinem vorigen Bericht meine Begeisterung für Papua Neuguinea (PNG) herausgelesen. Das kommt aber nicht so sehr von der netten Familie, von der ich euch berichtete, sondern den Informationen die ich sonst so über dieses Land gesammelt habe. PNG verfügt über fast alles was die Natur so bieten kann:

  • Urwälder mit hohen Bergen (der höchste ist der Mount Wilhelm der mit seinen über 4.500 Metern den unseren Großglockner um rund 1.200 Meter überragt), es gibt wilde, reißnde Flüsse, Wasserfälle
  • PNG verfügt über Bodenschätze wie Gas und Gold. Kaffee und Kakao gedeihen hier hervorragend und schmecken gut, Tropenholz wird exportiert. In den Bergen wächst eigentlich fast alles was es auch bei uns gibt. Grad für Weizen ist es zu feucht und zu uneben.
  • Endemische Tier- und Pflanzenarten wie beispielsweise den Wappenvogel von PNG den Paradiesvogel, den Kasuar, … , unzählige Orchideenarten, …
  • Dieses Land, das bevölkerungsmäßig nur wenig kleiner als Österreich ist, ist nicht nur naturmäßig sondern auch in kultureller Hinsicht äußerst vielfältig. Es werden hier knapp 1.100 indigene Sprachen gesprochen, die sich recht wenig ähnlich sind. Die einzelnen Stämme verfügen auch über unterschiedliche kulturelle Riten. In einigen wird nur für ein Jahr geheiratet und dann muss man sich bei einem Trennungsfest wieder einen anderen Partner/-in suchen. Ich kann euch somit nicht sehr viel über die Kultur hier berichten, weil es angeblich rund 500 verschiedene Kulturen gibt. Nur Körperbemalung und die Kriegstänze scheint es überall zu geben, wenn auch diese unterschiedlich sind.
  • Generell ist PNG matriarchalisch geprägt. Grundstücke werden nur an Töchter vererbt. Die Frauen regeln auch die ökonomischen Belange der Familie. Durch ihr Geschick in Geldangelegenheiten sind sie im Firmenmanagement sehr begehrt. Die Männer beschränken ihr Tätigkeitsfeld auf Trinken, Rauchen, Betelnusskauen, Fremdgehen, … also somit auch hier kein schlechtes Leben für Männer … Trotz Matriarchat gibt es somit auch hier die Doppelbelastung von Frauen durch Beruf und Familie.
  • Das Korallenriff hier zählt zu den größten und artenreichsten. Wäre für mehr Tauchtourismus ideal geeignet.
  • Kunsthandwerk ist ein weiterer Reichtum der Insel. Gemälde, Skulpturen, Schmuck, wunderschön geflochtene Körbe, …. 2EDCFCCB-5135-4FFB-8E57-92B1D4528E98Ich habe mir einen kleinen Krieger gekauft (siehe Foto), der mit seinem finsteren Gesichtsausdruck böse Geister vertreiben soll. Der bewacht jetzt meine Wohnung. Ich hoffe, dass er seinen Job gut macht.

Hört sich alles ganz prächtig an, wenn da nicht die hohe Kriminalität wäre. Die kleineren Delikte sind geldmotiviert. Die AB56D496-FBC3-4EDA-89D7-9B06FAE43652größeren wie Morde gehen vielfach auf Bandenkriminalität aus Rache oder Aberglauben zurück. Die unterschiedlichen Stämme bekämpfen sich und sühnen entstandene Schäden. Wird ein Mitglied eines Stammes/einer Familie (das gilt somit auch für das Stadtgebiet in Port Moresby) getötet, so muss die andere Familie Entschädigung zahlen. Das können bis zu rund 100.000 Euro sein. Der Besitz von Schweinen gilt hier – wie auch auf der Inseln Vanuatu – noch immer als Symbol für Reichtum. Statt den 100.000 Euro (oder auch zusätzlich) können auch noch ein paar Hundert Schweine als Entschädigung anfallen. Einer der wenigen Momente – neben Hochzeiten – wo sich alle Stammes-/Familienmitglieder treffen um zusammen zu legen. Auch jene die bereits ins Ausland verzogen sind.

Justiz und Polizei haben eine andere Vorstellung von Recht und Ordnung. Man versucht zu verhindern, dass Straftaten intern geregelt werden. Die Zeitung berichtete von einer Vergewaltigung die mit einer interfamiliären Zahlung von 5.000 Euro geregelt werden sollte. Also gibt es defacto jetzt zwei Strafen: Eine offizielle und eine stammesspezifische die nicht wegfällt weil es ein Justizsystem gibt. Diese wird von den Häuptlingen ausgehandelt. Das ist vielen Straftätern bzw. deren Familien zu teuer, was dazu führt das der geschädigte Stamm Rache übt.

Ein weiterer Teil der Kriminalität ist glaubensbedingt. Der Glaube an schwarze Magie und Hexerei ist hier noch sehr verbreitet. Pro Jahr gibt es ein paar Hexenverbrennungen. Jemand kommt ins Spital mit einer Krankheit, jemand führt das auf Hexerei zurück und schon wird Selbstjustiz geübt. Die Mutter und ihre beiden Töchter werden in eine Hütte gesperrt und diese dann in Brand gesetzt, wie in der Zeitung zu lesen stand.

Oder der „Schwarze Jesus“ fordert seine Opfer (siehe Zeitungsartikel).

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Aber so war es bei uns ja früher auch. Man kann nicht von einer faszinierend ursprünglichen Kultur ein modernes Justizsystem erwarten. Aber PNG öffnet sich schnell. Weniger das Fernsehen sondern die Mobiltelefone mit Internet erreichen bald das ganze Land. Kulturelle „Rückständigkeit“ wird schnell beseitigt, wenn sie nicht durch einzelne anerkannte Glaubenshüter, wie im Islam, verordnet wird. Und das ist hier nicht der Fall.

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Wie ich in meinem letzten Blogbeitrag berichtet habe, wollte mich „meine Familie“ ja vor meiner Abreise noch einmal einladen. Ich habe einen Gegenvorschlag gemacht und sie in ein chinesisches Restaurant eingeladen. Alle waren begeistert (nur die kleine Tochter hat ein wenig Angst vor dem „weißen Mann“, wie sich mich nennt) und hoffen, dass ich bald wiederkomme. ….  Muss ich ohnehin.  …. Und ich freue mich schon sehr darauf.

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