In den Highlands

Port Vila, Montag 28. Oktober 2019, 22:00 Uhr

Obwohl ich schon seit ueber einem Jahr auf den Fidschis lebe, habe ich nur wenig vom Landesinneren gesehen. Aufgrund meiner vielen Reisen bin ich recht wenig in meiner neuen Heimat und wenn, dann ist es dort entweder heiss oder – was noch oefter vorkommt – verregnet, oder ich treibe mich beim oder auf dem Meer herum. Das wollte ich aendern und habe daher eine Trekkingtour durch das Landesinnere gebucht – gleich vier Tage lang. Mit Uebernachtung in Bergdoerfern die nicht einmal an des Stromnetz (Wasser und Kanal sowieso nicht) angeschlossen sind, keinen Internetempfang haben und nur ueber Kaltwasserduschen verfuegen, mit Flussdurchquerungen, etc. Also das volle Abenteuerprogramm.

Der erste Tag bestand nur aus einer Anreise in einem Gelaendewagen ins Landesinnere. Wir waren nur zu zweit im Auto, der Guide und ich. Bei der Ankunft waere zwar ein kleiner Rundgang geplant gewesen, aber da es zu 20191022_194901regnen begonnen hatte, haben wir das gelassen. Am Abend ist noch eine Australierin zu uns gestossen, die an diesem Tag den hoechsten Berg der Fidischis (naja, mit einer Hoehe von 1300 Metern kann er nicht mal der Rax das Wasser reichen) bestiegen hatte. Das Abendessen gab es im Gemeinschaftsraum, der auch als unser Schlafsaal diente. Die Dusche liess ich am ersten Abend aus. Zwar hab ich keine Spinnenphobie aber ich war – zumindest fuer dortige Verhaeltnisse – sauber und das Wasser kalt. Abendessen vegatarisch, Fruehstueck auch.

Die Australierin hatte am naechsten Morgen Magenprobleme und so zog ich alleine ins naechste Dorf  los. Mit zwei Fuehrern. Naja, zumindest verlaufen kann ich mich nicht. Das Wetter war sonnig aber 20191023_085930fuer den Nachmittag war bereits wieder Regen angesagt. Also hiess es sich beeilen. Es ging ueber schoene Grasberge bergauf und bergab. Dann runter zu einem Fluss den man entlang wandern und manchmal auch ueberqueren muss um die Seite zu wechseln. Mittagessen gab es am Fluss. Ich hatte ein paar Aepfel und ein paar Riegel mit. Die Guides luden mich auf Tunfischsalat ein, den ich nicht ausschlagen wollte. Wir pflueckten wilde Chilischoten um das ganze aufzupeppen. Nach einer halben Stunde mussten wir weiter, da sich Regen angkuendigte. Kaum im Urwald ging es auch schon los. Die ganze bisherige Vorsicht nicht ins Wasser und in den Gatsch zu steigen 20191023_114329hat sich nicht ausgezahlt. Die keinen Trampelpfade die bergauf fuehrten verwandelten sich im Nu in kleine Baeche aus braunem Wasser. Bis wir im naechsten Dorf ankamen, war ich voellig durchnaesst. Diesmal dusche ich. Auch meine Kleidung 20191023_104622und meine Schuhe wusch ich, obwohl mir klar war, dass das bis morgen niemals trocken wird.  Das Abendessen gab es in einem Gemeinschaftsraum der auch als Speisesaal diente – gemeinsam mit Strassenarbeitern und einem Bautrupp vom Elektrizitaetswerk (die Stromversorgung des Dorfes nimmt langsam ihre Zuege an). 20191023_132804Geschlafen wurde in einer typischen Bure aus Stroh und Flechtmatten. Nach meinem 11 Kilometermarsch war ich angenehm muede und schlief bald ein.

Um 5 Uhr frueh begannen die 6 Dorfhaehne um die Wette zu 20191023_160158kraehen. Gottseidank hatte ich meine Kopfhoerer mit Rauschunterdrueckung mit und somit schlief ich bis 7. Tagwache, Fruehstueck (vegetarisch). Kurze Lagebesprechung: Ich und ein Guide sollen 21 Kilometer bergauf und bergab, mit Flussdurchquerung bis zur Huefte, zum naechsten Dorf wandern. Noch ist der Himmel bloss grau aber es soll regnen. Ich schluepfe in meine noch recht feuchten Schuhe und los gehts. Der Boden ist noch morastig vom letzten Regen. Bei den Ueberquerungen von zahlreichen kleineren Rinnsalen 20191023_202908springe ich nicht mehr von Stein zu Stein wie eine Gazelle um nicht nass zu werden, sondern latsche mitten durchs Wasser. Die Schuhe sind ohnehin noch nass vom Vortrag und ich weiss, dass ich bald einen tiefen Fluss durchwaten muss. Nach 2 Stunden Wanderung treffen wir auf einen Wildschweinjaeger. Er macht meinem Fuehrer klar, dass das mit der Flussdurchquerung heute eine ganz, ganz schlechte Idee ist. In den Bergen regnet es bereits und der Fluss ist ordentlich angeschwollen. Wir wuerden mitgerissen werden. Mein Fuehrer meint ob ich sehr traurig waere wenn wir wieder umkehren und stattdessen mit dem Auto zum Zielpunkt fahren. Meine gute Idee noch weiterzugehen und uns erst an einem Punkt vor dem Fluss abholen zu lassen scheitert daran, dass die einzige Strasse hinter dem Fluss liegt. Schaffen wir die Durchquerung nicht, muessen wir von dort aus umkehren. Also drehen wir wieder um.

Mit dem Auto geht es 2 Stunden land zu einer Lodge in der Naehe eines Dorfes. Zwar gibt es auch dort nur Kaltwasser und das Kochen unseres 20191024_155539Abendessens sieht sehr improvisiert aus (siehe Foto), aber es gibt dort Betten. Das Abendessen ist dann doch vorzueglich. Es gibt gegrillten Fisch, Huhn, Obst und gutes Gemuese. Nach einem gemeinsamen Kavatrinken geht es dann ins Bett. Am naechsten Morgen geht es dann ins Dorf nebenan, welches im Kern nur aus traditionellen Buren besteht. Keine Wellblechhuetten. Die Maenner haben sich bereits um 11 Uhr morgens zum Kavatrinken versammelt und alle lachten als ich ihnen „never too early for a Kava“ zurief. Sofort mussten wir natuerlich mittrinken und der Dorfaelteste lud uns dann noch in seine Bure ein. Danach stand eine 6 stuendige Heimreise im Auto auf dem Programm. Mit Mittagessen in einem normalen Restaurant. Ein Steak musste es sein. Und endlich wieder Bier.20191025_105154

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